Team von Eren Enerji.

Beitragsbild: Stadt Essen

Unsere Themen

Zonguldak und das Ruhrgebiet: Wirtschaftliche Perspektiven einer wachsenden Partnerschaft

Zwischen dem Ruhrgebiet und der türkischen Region Zonguldak entstehen neue wirtschaftliche Verbindungen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch zwischen Unternehmen und neue Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Energie und Gesundheitswirtschaft.

Unsere IHK flankiert bei wirtschaftsbezogenen Themen die interkommunale Zusammenarbeit der Städte Essen und Zonguldak

Wenn im Ruhrgebiet über internationale Wirtschaftsbeziehungen gesprochen wird, stehen häufig große Märkte in Europa, Nordamerika oder Asien im Mittelpunkt. Weniger bekannt ist die türkische Schwarzmeerregion rund um Zonguldak. Dabei verbindet beide Regionen mehr, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

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Eine Industrieregion im Wandel

Die Karaelmas-Region mit den Provinzen Zonguldak, Karabük und Bartın liegt an der türkischen Schwarzmeerküste. Über Jahrzehnte war sie das Zentrum des türkischen Steinkohlebergbaus und entwickelte sich auf dieser Grundlage zu einem bedeutenden Industrie- und Energiestandort. Noch heute prägen Bergbau, Energieerzeugung, Stahlindustrie und industrielle Produktion die Region. Gleichzeitig befindet sich die Region in einem tiefgreifenden Strukturwandel und steht damit vor ähnlichen Herausforderungen, wie sie das Ruhrgebiet bereits seit mehreren Jahrzehnten erlebt.

Gewachsene Verbindungen zwischen Essen und Zonguldak

Zwischen der Stadt Essen und der Region Zonguldak bestehen bereits seit mehreren Jahren enge kulturelle und kommunale Beziehungen. Zahlreiche Menschen mit familiären Wurzeln in der Karaelmas-Region leben heute im Ruhrgebiet und insbesondere in Essen. In den vergangenen beiden Jahren ist zunehmend auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker in den Fokus gerückt. Die Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen begleitet diese Entwicklung aktiv und flankiert die bestehenden kommunalen Kontakte mit wirtschaftsbezogenen Aktivitäten.

Delegationsreise als Impuls für neue Kooperationen

Vor diesem Hintergrund nahm Ende August eine Delegation aus Essen an einer interkommunalen Wirtschaftskonferenz in Zonguldak teil. Zur Delegation gehörten Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, Vertreter der Essener Wirtschaftsförderung EWG, der RAG-Stiftung, Unternehmen aus Essen sowie die IHK zu Essen. Ziele der Reise waren es, bestehende Kontakte zu vertiefen, neue politische Kontakte zu etablieren, wirtschaftliche Potenziale zu bewerten und konkrete Anknüpfungspunkte für zukünftige Kooperationen zu identifizieren. Diese Ziele wurden erreicht. Die teilnehmenden Essener Unternehmen konnten wertvolle neue Geschäftskontakte aufbauen und unsere IHK hat ein klareres Bild erhalten, in welchen Bereichen eine vertiefte Zusammenarbeit zu Mehrwerten für unsere MEO-Wirtschaft führen kann.

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Im Mittelpunkt stand die Interkommunale Wirtschaftskonferenz Essen–Zonguldak am 31. August 2026. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Institutionen beider Regionen diskutierten dort insbesondere über Strukturwandel, Energie, industrielle Transformation und Zukunftsperspektiven regionaler Wirtschaftsentwicklung. In Vorträgen, Panels und Unternehmensgesprächen wurden Gemeinsamkeiten der beiden

Regionen deutlich sichtbar. Sowohl das Ruhrgebiet als auch die Karaelmas-Region verdanken ihren wirtschaftlichen Aufstieg der Industrie. Beide Standorte stehen heute vor der Aufgabe, bestehende industrielle Stärken in nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaftsmodelle zu überführen.

Marc Meckle (l. i. B.) und ZTSO Präsident Metin Demir (r. i. B.)

Vom Austausch zum Letter of Intent

Begleitend zur Konferenz fanden Gespräche mit Vertretern regionaler Unternehmen, Institutionen und der Wirtschaftskammer Zonguldak statt. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatte die IHK zu Essen mehrfach Gespräche mit der IHK in Zonguldak (der „Zonguldak Ticaret ve Sanayi Odası“ (ZTSO)) und ihrem Präsidenten Metin Demir geführt. Diese Gespräche haben dazu beigetragen, ein besseres Verständnis für die jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit zu entwickeln.
Ein sichtbares Ergebnis dieses Austauschs ist ein Letter of Intent (LOI), den die IHK zu Essen während der Reise an die ZTSO übergeben hat. In diesem Dokument bekundet die IHK ihre Bereitschaft, die wirtschaftsbezogene Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Institutionen beider Regionen aktiv zu begleiten. Dabei werden insbesondere drei Themenfelder als vielversprechend bewertet: Energie, Gesundheitswirtschaft sowie Geschäftsanbahnung und B2B-Matchmaking. Das Dokument schafft einen belastbaren Orientierungsrahmen für zukünftige Aktivitäten.

Energie und Gesundheitswirtschaft als gemeinsame Themen

Aus Sicht der IHK bieten insbesondere die Themen Energie und Gesundheitswirtschaft interessante Ansatzpunkte für einen weiteren Austausch. Die Region Zonguldak verfügt über umfangreiche Kompetenzen im Energiesektor – besonders im Bereich klassischer Energieträger aber mit zunehmender Bedeutung auch im Bereich Erneuerbarer Energien – und nimmt innerhalb der Türkei eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung ein. Gleichzeitig beschäftigt sich die Region zunehmend mit Fragen der industriellen Transformation, der Modernisierung bestehender Infrastrukturen und zukünftigen Entwicklungen im Energiesektor. Auch wenn die Ausgangsbedingungen nicht unmittelbar mit denen im Ruhrgebiet vergleichbar sind, ergeben sich in einzelnen Bereichen interessante Gesprächsanlässe für Unternehmen und Institutionen beider Regionen.

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Konkrete Perspektiven in der Gesundheitswirtschaft: Health Expo 2027 in Essen

Besonders konkrete Perspektiven werden derzeit in der Gesundheitswirtschaft gesehen. Bereits in mehreren Gesprächen zwischen der IHK zu Essen und der ZTSO wurde deutlich, dass auf türkischer Seite großes Interesse an einer stärkeren Vernetzung besteht. Vor diesem Hintergrund ist für das Frühjahr 2027 eine Health Expo in Essen vorgesehen. Nach derzeitigen Planungen sollen rund 25 Unternehmen aus Zonguldak ihre Produkte, Dienstleistungen und Kompetenzen im Gesundheitsbereich in Essen präsentieren. Für Unternehmen aus dem IHK-Bezirk könnte sich dadurch eine zusätzliche Möglichkeit ergeben, potenzielle Geschäftspartner kennenzulernen und neue Kontakte in die türkische Schwarzmeerregion aufzubauen.

Geschäftsanbahnung durch persönliche Kontakte

Darüber hinaus zeigten die Gespräche während der Reise, dass auch Formate zur Geschäftsanbahnung und zum direkten Austausch zwischen Unternehmen auf Interesse stoßen. Gerade mittelständische Unternehmen beider Regionen profitieren häufig weniger von großen institutionellen Programmen als von konkreten Kontakten

und persönlichen Gesprächen. Entsprechend wird die IHK zu Essen ihre Rolle weiterhin vor allem darin sehen, Unternehmen zusammenzubringen, Netzwerke zu fördern und dort zu unterstützen, wo daraus ein konkreter wirtschaftlicher Mehrwert entstehen kann. 

Schrittweiser Ausbau eines belastbaren Netzwerks

Die Reise nach Zonguldak hat gezeigt, dass sich zwischen beiden Regionen interessante Anknüpfungspunkte entwickeln. Von einer umfassenden wirtschaftlichen Partnerschaft kann derzeit noch nicht gesprochen werden. Gleichwohl ist in den vergangenen Jahren ein belastbares Netzwerk entstanden, das schrittweise weiter ausgebaut wird. Die IHK zu Essen wird diesen Prozess weiterhin begleiten und dort unterstützen, wo sich für Unternehmen aus unserem Bezirk konkrete Chancen ergeben. Im Mittelpunkt steht dabei unverändert das Ziel, wirtschaftliche Kontakte zu fördern und einen praktischen Nutzen für die Unternehmen beider Regionen zu schaffen.

Marc Meckle

Verfasst von:
Marc Meckle

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