In seinem Grußwort beim Standortcheck in der Neuen Lohnhalle ließ IHK-Präsident Gerd Kleemeyer keine Zweifel, worum es ging: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen über den Standort Essen sprechen.“ Im Gespräch zwischen Wirtschaft und Politik, an dem auch die 1. Bürgermeisterin der Stadt Julia Jacob teilgenommen hat, wurden die Stärken und Schwächen des Standorts diskutiert. Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Benedict Kerbstadt moderierte den Abend.


Neue Lohnhalle als Ort des Wandels
Mehr als 60 Gäste sind unserer Einladung in die Neue Lohnhalle gefolgt. Ein passender Ort, der den Wandel des gesamten Ruhrgebiets der vergangenen Jahrzehnte widerspiegelt. Aus dem Essener Kult-Hotel „Alte Lohnhalle“ ist ein moderner Arbeitsort geworden – unter dem Namen: „Neue Lohnhalle“. Seit einigen Wochen gibt es hier Co-Working-Space mit Mietbüros, Einzelarbeitsplätzen, Besprechungsräumen und Gastro.
Schulnote 3,0 für den Standort Essen – Potenzial besser ausschöpfen
Unsere Umfrage nahm wirtschaftliche Faktoren in den Fokus, die für den Standort entscheidend sind. In der Gesamtnote vergaben die Unternehmen die Schulnote 3,0. „In der Schule gab es bei der Note befriedigend weder ein ausschweifendes Lob noch vernichtende Kritik. Aber wir sind der Meinung, dass der Standort Essen mehr Potenzial hat. Dieses muss ausgeschöpft werden, indem an den richtigen Stellschrauben gedreht wird“, betonte Kerbstadt.
Hohe Unzufriedenheit mit innerstädtischen Straßennetz sowie der Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren
Die schlechtesten Noten gab es für die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren (4,2) sowie den Zustand des innerstädtischen Straßennetzes (4,1). Hier ist die Unzufriedenheit der Unternehmerinnen und Unternehmen vergleichsweise hoch. „Vor allem langwierige Verfahren und hoher Bürokratieaufwand sind ein großes Hemmnis für den Standort Essen. Dies betrifft fast alle Prozesse, bei denen Unternehmen auf öffentliche Stellen angewiesen sind: die Genehmigung von Anlagen oder Bebauungsplänen, Dokumentationspflichten oder Sicherheitsüberprüfungen“, so Kerbstadt.
»Vor allem langwierige Verfahren und hoher Bürokratieaufwand sind ein großes Hemmnis für den Standort Essen.«
Gute Noten für Kultur und Freizeit sowie die digitale Infrastruktur
Naherholungs- und Freizeitangebote (Note 2,8) sowie die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Note 2,7) erhalten positive Bewertungen von den Essener Unternehmen. Bei den drei wichtigsten Faktoren für die Ansiedlungsentscheidung eines Unternehmens ergab sich ein klares Bild:
- Leistungsfähige Infrastruktur: 78%
- Verfügbarkeit von Fachkräften: 58%
- Gute Erreichbarkeit von/für Kunden sowie Höhe der kommunalen Kosten (Gewerbesteuer, Grundsteuer, Gebühren): 42%
„Die Anforderungen unserer Unternehmen sind eindeutig: Wirtschaft muss bezahlbar und erreichbar sein. Hier wünschen sich die Befragten in Essen steuerliche Entlastungen und eine leistungsfähige Infrastruktur“, fasste Kerbstadt die Ergebnisse zusammen. „Hinzu kommt die Verfügbarkeit von Fachkräften als wichtiges Handlungsfeld. Denn der Kampf gegen den Fachkräftemangel beginnt mit guter Bildung. Hier ist die Stadt verantwortlich, gute Voraussetzungen dafür zu schaffen.“


