© Natalie Michaux-Vignes

Unternehmen

Vielfalt für den Kleiderschrank

Das Essener Ein-Frau-Startup „Le Papillon Créole“ von Natalie Michaux-Vignes setzt auf Kindermode mit Botschaft.

Le Papillon Créole

Natalie Michaux-Vignes ist in zwei sehr verschiedenen Welten groß geworden. Der Alltag der heute 41-Jährigen spielte sich in Essen ab. Hier, in der Heimat ihrer Mutter, ist sie geboren, hat den Kindergarten und die Schule besucht. Die Ferien aber verbrachte sie oft beim anderen Teil der Familie im französischen Übersee-Gebiet Guadeloupe. „Ich bin väterlicherseits afro-karibischer Abstammung“, erzählt Natalie Michaux-Vignes. Sie selbst ist sehr stolz auf ihre Herkunft, liebe „das Kreolische“. Gemeint ist die offene Lebenseinstellung, aber unter anderem auch die besondere Küche und Musik, eine Mischung aus verschiedensten Kulturen.

Angefangen mit Mode und Accessoires unter Verwendung kreolischer und afrikanischer Stoffe, hat die Gründerin das Label „Le Papillon Créole“ ins Leben gerufen. Der „Kreolische Schmetterling“ stehe zum einen natürlich für ihren familiären Hintergrund – Guadeloupe wird wegen ihrer Form auch die Schmetterlingsinsel genannt. Zum anderen vergleicht sie ihre Arbeit an der Nähmaschine mit der Metamorphose einer Raupe: „Genäht wird auf links, wenn man den Stoff anschließend herumdreht, ist das wie eine wunderbare Verwandlung.“ 

»Für uns als Familie, die Vielfalt lebt, war das eine große Lücke, die ich schließen wollte.«

Vielfalt im Kleiderschrank

Auf Etsy, dem bekannten E-Commerce-Portal für handgemachte Produkte, und auf Instagram präsentiert sie seit einigen Monaten ihre „Stoffe mit Vielfalt“ und auch Textilien für Kinder. Eine eigene Online-Plattform ist in Planung. Zum Sortiment zählen beispielsweise Hoodies, Longsleeves, Röcke, Mützen und auch Turnbeutel. Die Stoffeigenproduktionen aus GOTS-zertifizierter Baumwolle bietet sie als Meterware an. Alle Produkte haben eins gemeinsam: sie sollen für „Vielfalt im Kleiderschrank“ sorgen, betont Natalie Michaux-Vignes. Ob „Schwarze Meerjungfrauen“ (und -männer), Stoffe mit positiver Botschaft, oder Astronaut*innen mit verschiedenen Hauttönen – die Frohnhausenerin will „verschiedene Ethnien“ sichtbarer machen. Es gebe so gut wie keine Kinderstoffe oder auch -kleidung, die die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegele. „Für uns als Familie, die Vielfalt lebt, war das eine große Lücke, die ich schließen wollte.“ 

Ganze Nächte hat sie im Internet verbracht, um herauszufinden, wie und wo man eigene Stoffdesigns in Auftrag geben kann. Sie schaute sich Videos über Grafikprogramme an, um sich so das nötige Wissen anzueignen. Inzwischen hat Natalie Michaux-Vignes Bezugsquellen in ganz Europa, gestaltet selbst oder gibt Designs nach genauen Vorgaben in Auftrag. „Ich versuche, die Charaktere möglichst authentisch darzustellen. Hierzu gehört unter anderem auch, die einzigartigen Haarstrukturen und Frisuren – soweit zeichnerisch möglich –  realistisch zu gestalten“. 

Die jungen Trägerinnen und Träger und ihre Eltern sollen sich in der von ihr entworfenen Kleidung wiederfinden. „Meine Schwester und ich haben als Kinder Matrosenkleidchen und ähnliches zum Anziehen bekommen. Das war zwar typisch 80er-Jahre, passte aber überhaupt nicht uns.“ Zumindest beim jüngsten ihrer drei Söhne, vier Jahre alt, wollte sie es anders machen. 

Ein Herzensprojekt

Erst kam die Pandemie und mit ihr das Aus für ihren Beruf als Verkehrskauffrau im Reisebüro. „Während des ersten Lockdown hatte ich keine Betreuung für mein Kind. Also musste ich zuhause bleiben, wollte aber nicht untätig rumsitzen – und das Nähen war schon immer mehr als nur ein Hobby“. Unterstützt vom Vater ihres Sohnes, dessen Familie aus Zimbabwe stammt, aber bereits seit 1964 in Essen lebt, fing sie an, nicht nur für den eigenen Bedarf Stoffe produzieren zu lassen. Es ist ihr „Herzensprojekt“, das sich in Zukunft als Label etablieren soll.

Sie verfügt über eine zwar kleine, aber wachsende Fangemeinde in ganz Deutschland. „Meine Kunden sind oft ethnisch gemischte Paare, die für ihre Kinder bestellen“, erzählt sie. Besonders stark vertreten sind die Metropolen. Der Großteil der Anfragen kommt aus Köln, Berlin und Hamburg. „Dort ist Vielfalt normaler.“ Doch auch in ihrem unmittelbaren Umfeld spüre sie ein wachsendes Interesse. Die Menschen würden insgesamt sensibler. Gleichwohl: Natalie Michaux-Vignes wünscht sich, „dass das Kita-Personal, aber auch alle Eltern noch mehr auf die Vermittlung von Vielfalt achten“. Sie meint damit unter anderem die verwendeten Bilderbücher, Spielzeug sowie die Kinderbekleidung.

Briefpapier-Sets für Kinder

Vor Kurzem hat Natalie Michaux-Vignes ihren Arbeitsschwerpunkt aus den eigenen vier Wänden ins „Atelierhaus Schützenbahn“ verlegt, in dem ein „Open Space“ zur Verfügung steht. „Hier habe ich den nötigen Platz und vor allem Ruhe“, sagt sie. Sollte sich ihr Startup weiterhin gut entwickeln, müsste sie einen Teil der Arbeit an Lohnnäherinnen delegieren, „natürlich fair genäht in Europa“.

Neben Stoffen und Kleidung gibt es immer wieder neue Produkte, die die Sichtbarkeit von Kindern positiv bestärken soll. Ihr aktueller „Renner“ sorgt allerdings nicht für Vielfalt im Kleiderschrank, sondern auf dem Schreibtisch: Briefpapier-Sets für Kinder aus ihrer Kreation erfreuen sich großer Beliebtheit.

Stefanie Seimer

Verfasst von:
Stefanie Seimer

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