Väter erreichen durch richtige Ansprache
Papa im Betrieb, Mama beim Kind? Dieses Rollenklischee ist überholt. Männer und Frauen wollen beides: Familie und Beruf. Unternehmen müssen lernen, Männern genauso selbstverständlich wie Frauen Vereinbarkeitsangebote zu unterbreiten – und damit rechnen, dass junge Väter diese gerne annehmen.
Die Wechselbereitschaft ist hoch
Viele Väter sind bereit, den Arbeitgeber zu wechseln, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gelingt. Laut aktueller Prognos-Studie „Wie väterfreundlich ist die deutsche Wirtschaft“ haben bereits rund 450.000 Väter aus diesem Grund den Job gewechselt, und 1,7 Millionen denken darüber nach. Besonders auf junge Väter unter 35 trifft das zu: Zwei Drittel würden bei fehlender Familienfreundlichkeit gehen. Für Unternehmen bedeutet das: Fehlende Väterorientierung ist ein echtes Risiko im Wettbewerb um Fachkräfte. Umgekehrt ist Offenheit für die Bedarfe von Vätern eine Wachstumschance.
Väter möchten mehr Zeit für Familie
Denn die Wünsche sind eindeutig: Über 40 Prozent der Väter möchten ihre Arbeitszeit reduzieren, bei Vätern unter 35 Jahren sogar mehr als die Hälfte. Flexibilität ist dabei das zentrale Thema: 74 Prozent der Väter wünschen sich mehr Spielraum bei Arbeitszeiten, knapp die Hälfte auch beim Arbeitsort.
Die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen, steigt kontinuierlich: Während 2008 laut Väterreport (2023) nur 21 Prozent Elterngeld bezogen, liegt der Anteil im Jahr 2020 bereits bei rund 44 Prozent. Dennoch bleibt die Dauer kurz: Männer nehmen im Schnitt 3,6 Monate Elternzeit, Frauen dagegen 14,6 Monate.
Väter fühlen sich (noch) nicht ausreichend angesprochen
Trotz dieser Entwicklung nutzen Väter klassische Vereinbarkeitsinstrumente deutlich seltener als Mütter. Zwei Gründe: Laut einer DIW-Studie sind es finanzielle Einbußen bei Vätern und die Sorge, dass die Elternzeit negative berufliche Konsequenzen haben könnte.
Die Prognos-Studie zeigt: 63 Prozent der Unternehmen halten sich für sehr väterfreundlich, aber nur 38 Prozent der Väter stimmen zu. Hier besteht ein klares Kommunikationsdefizit.
Vorbilder kommen gut an
Väter nehmen fünfmal häufiger Elternzeit, wenn männliche Führungskräfte dies ebenfalls tun. Unternehmen sollten daher regelmäßig Beispiele kommunizieren – idealerweise von Führungskräften –, die unterschiedliche Lebensmodelle repräsentieren. Sprache und Bildwelt müssen dabei die Wahrnehmung von Männern berücksichtigen.
Vertretungsmanagement ebnet Weg in „Väterzeit“
Ein funktionierendes Vertretungsmanagement erleichtert längere Elternzeiten. Instrumente wie „Führen auf Probe“ ermöglichen es gleichzeitig, Führungskräfte in Elternzeit zu ersetzen und gleichzeitig Talente zu entwickeln.
Fazit
Eine zielgruppengerechte Ansprache, sichtbare Vorbilder und ein durchdachtes Vertretungsmanagement sind entscheidend, um Vätern mehr Zeit für ihre Familie zu ermöglichen. Unternehmen profitieren von motivierten und loyalen Beschäftigten – ein klarer Wettbewerbsvorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

Autorin: Larissa Roy-Chowdhury
Stand: November 2025