Ein Stück eines Gebäudes mit einem großen Firmenlogo.

Beitragsbild: IHK/Christian Hövelmann

Unternehmen

Unternehmensnachfolge braucht Mut zur Entscheidung

Seit 1919 befindet sich das Essener Unternehmen in Familienhand und wird seit 2019 von Cornelia Loebnitz in vierter Generation geführt.

Schaaff & Meurer GmbH

Die Schaaff & Meurer GmbH blickt auf eine lange Unternehmensgeschichte zurück. Gegründet im Jahr 1857 als Öl- und Fettfabrik hat sich das Unternehmen ständig weiterentwickelt und stellt heute Spezialschmiermittel für viele Anwendungsbereiche her. Seit 1919 befindet sich das Essener Unternehmen in Familienhand und wird seit 2019 von Cornelia Loebnitz in vierter Generation geführt.

Eine Entscheidung, die man selbst treffen muss

„Eigentlich war es gar nicht geplant, dass ich ins Unternehmen einsteige“, erzählt Cornelia Loebnitz. Ursprünglich wollte sie Pharmazie studieren und suchte nach dem Abitur eine Zwischenlösung, um die Zeit bis zum Studienbeginn zu überbrücken. So begann sie ein Praktikum im Labor des Unternehmens, das zu dieser Zeit von ihrem Vater geführt wurde. Aus den geplanten zwei Monaten wurde mehr. Und aus einem beiläufigen Scherz eines Kollegen, der sie ‚Chefin‘ nannte, entwickelte sich ein Gedanke, der sie nicht mehr losließ. „Erst fand ich das total absurd und habe gesagt: ‚Was ich? Auf keinen Fall. Ich kenne mich doch gar nicht aus.‘ Aber irgendwann habe ich mich gefragt: ‚Wieso eigentlich nicht?‘“ Die Arbeit im Unternehmen gefiel ihr und je

länger sie blieb, desto mehr konnte sie sich vorstellen, zu bleiben.
Aus diesem Gedanken wurde schließlich eine konkrete Überlegung, die sie mit ihrem Vater besprechen wollte. Sie erzählte ihm von ihrer Idee und fragte, ob er ihr die Nachfolge zutraue. Eine Antwort auf die Frage gab er ihr nicht. Stattdessen stellte er die Gegenfrage: „Traust du dir das denn zu?“ „Ich war dann erstmal eingeschnappt, dass er mir keine Antwort auf meine Frage gab“, sagt die Unternehmerin. „Aber er hatte recht. Wenn ich die Entscheidung nicht selbst treffen kann, dann kann ich auch später keine unternehmerischen Entscheidungen allein verantworten.“

Eine Frau lächelt in die Kamera.© IHK/Christian Hövelmann
Cornelia Loebnitz, Geschäftsführerin der Schaaff & Meurer GmbH

Mit der Überlegung kamen jedoch Zweifel auf. „Ich hatte Angst, dass ich meine Eltern enttäuschen werde, wenn mal etwas nicht so rund läuft. Hinzu kommt die Verantwortung, die man für alle Mitarbeitenden trägt, die auch Familie haben. Was passiert mit ihnen und mit dem Unternehmen, wenn ich mal eine falsche Entscheidung treffe?“, so Cornelia Loebnitz. Ihr Vater habe ihr in dieser Phase immer wieder Mut zugesprochen. Ein Satz von ihm bleibt ihr noch heute in Erinnerung: „Du musst dich von dem Gedanken freimachen, dass du keine Fehler machen wirst. Du wirst falsche Entscheidungen treffen. Wichtig ist nur, dass du dann handelst und den Fehler korrigierst.“

Damit stand ihre Entscheidung fest: Sie würde die Nachfolge übernehmen. Gemeinsam mit ihrem Vater überlegte sie, was sie braucht, um das Unternehmen gut zu führen. Um die Grundlagen kennenzulernen, studierte sie einige Semester Chemie und absolvierte in einem anderen Unternehmen die Ausbildung zur Industriekauffrau.

Im März 2016 kehrte sie zur Schaaff & Meurer GmbH zurück und packte dann in allen Abteilungen selbst mit an. „Ich wollte wissen, was ich von meinen Mitarbeitenden verlange. Und ich wollte nichts verlangen, was ich nicht selbst machen würde.“ Schritt für Schritt band ihr Vater sie in Gespräche und Entscheidungsprozesse ein. Erst saß sie mit am Tisch und hörte zu, später führte sie die Meetings selbst, während ihr Vater zunehmend in den Hintergrund trat.
Heute ist Cornelia Loebnitz stolz, dass sie damals den Mut hatte, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten: „Es ist ein besonderes Gefühl, das weiterzuführen, das einst meinem Vater gehört hat und zugleich mit eigenen Ideen weiterzuentwickeln.“

»Es ist ein besonderes Gefühl, das weiterzuführen, das einst meinem Vater gehört hat und zugleich mit eigenen Ideen weiterzuentwickeln.«

Trennung von Beruf und Privatleben

Der Vater von Cornelia Loebnitz legte großen Wert darauf, dass Beruf und Privatleben getrennt bleiben. „Er hat früh die Regel eingeführt, dass zu Hause nicht über die Firma gesprochen wird“, sagt sie. Daran musste sie sich nach ihrem Eintritt ins Unternehmen erst einmal gewöhnen. „Auf dem Heimweg sind mir oft noch Ideen eingefallen, die ich unbedingt ansprechen wollte. Wenn ich angefangen habe, davon zu erzählen, hat er mich direkt unterbrochen und gesagt, ich solle abschalten – wir würden das am nächsten Tag im Büro besprechen.“
Heute weiß sie, dass hinter dieser Regel mehr steckte als nur der Wunsch nach Feierabend. Loebnitz hat zwei Schwestern, die nicht im Unternehmen arbeiten. Ihr Vater wollte vermeiden, dass die gemeinsame Arbeit im Betrieb die Familie dominiert oder andere Themen und Erfolge in den Hintergrund rücken. „Es war ihm wichtig, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt und jeder seinen eigenen Platz in der Familie hat“, sagt sie.

Ende 2021 verstarb ihr Vater. Seitdem führt Cornelia Loebnitz das Unternehmen allein weiter, geprägt von den Werten, die er ihr vorgelebt hat: Mut zur Entscheidung und Vertrauen in sich selbst sowie in die Fähigkeit, an den eigenen Aufgaben zu wachsen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie hier.

Lara Böckelmann

Verfasst von:
Lara Böckelmann

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