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SPIE – modernes Ausbildungskonzept

Der Multitechnik-Dienstleister SPIE setzt auf ein modernes Ausbildungskonzept, das den Nachwuchs frühzeitig auf die Praxis vorbereitet.

Hochspannend: Ausbildung bei SPIE

Woher die Fachkräfte für die Energiewende nehmen? Der Multitechnik-Dienstleister SPIE setzt auf ein modernes Ausbildungskonzept, das den Nachwuchs frühzeitig auf die Praxis vorbereitet. Ein Ausbildungszentrum für angehende Elektroniker des Geschäftsbereichs High Voltage liegt im Essener Norden.

Keine Frage, die Leistungen, die SPIE vollbringt, waren schon immer etwas komplexer. Mitunter plant, baut und betreibt das Dienstleistungsunternehmen Umspannwerke im Übertragungsnetz – wichtige Knotenpunkte, die man sich als Auf- und Abfahrten der großen Stromautobahnen vorstellen kann. Für zusätzlichen „Zug“ sorgt die Energiewende. Digitaler, effizienter, kurz: umweltschonender müssen die Anlagen sein. Zwar sei das Thema Nachhaltigkeit für SPIE kein neues, betont Hannes Simon, Leiter der Geschäftseinheit Schaltanlagenbau und im Geschäftsbereich High Voltage von SPIE Deutschland & Zentraleuropa.

Deutschland hat seine Klimaziele verschärft, der Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Netzinfrastruktur soll beschleunigt werden. Hierfür werden Fachkräfte benötigt – doch die sind bekanntlich knapp. Auch bei SPIE gestalte sich manche Stellenbesetzung schwierig, berichtet Simon. Einen umso größeren Stellenwert im Unternehmen nehme daher die Ausbildung ein. Die Idee: Wer Spezialwissen von klein auf fördert, muss später weniger Expertise von außen hinzuziehen.

»Gemeinsam mit unseren Kunden machen wir uns für die Energiewende stark«

Hannes Simon
Leiter der Geschäftseinheit Schaltanlagenbau
SPIE Deutschland & Zentraleuropa

Übers Recruiting einen Draht zur Zielgruppe

Allerdings: Junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern, ist eine Aufgabe für sich. Insbesondere für Fachfirmen, die im Alltag eher unsichtbar sind. „Für einen Absolventen, der in der Energiebranche arbeiten wollte, war SPIE früher sicher nicht die erste Idee“, räumt Hannes Simon ein. Die gegenwärtigen Zahlen zeigen jedoch: Inzwischen ist der Konzern sehr wohl in der Wahrnehmung der Bewerberinnen und Bewerber angekommen.

Bundesweit starteten 2023 444 junge Menschen bei SPIE in die Arbeitswelt, insgesamt zählt das Unternehmen 1.145 Auszubildende und duale Studierende in 46 Berufen. Entscheidend sei eine zielgruppengerechte Ansprache auf Jobbörsen, bei Recruiting-Events, in Kino- und YouTube-Spots sowie den Sozialen Medien gewesen. Accounts bei Instagram geben Einblicke in den Arbeitsalltag. Hierüber sei es gelungen, dem sinnbewussten Nachwuchs zu vermitteln, weshalb es sich lohne, bei SPIE zu arbeiten.

Von Tag 1 ins Unternehmen eingebunden

Die beste Kampagne nutze jedoch wenig, wenn die Qualität der Ausbildung nicht Schritt halte, wirft Matthias Hermans ein. Als Ausbildungsleiter im Geschäftsbereich High Voltage von bei SPIE bringt er angehenden Elektrikerinnen und Elektrikern das Schalten und Walten bei – und das in zwei Stufen: Die Ausbildung zum Industrieelektriker dauert zwei Jahre. „Das ist die Grundlage, um als Monteur durchzustarten“, so Hermans. Wer sich für noch speziellere Aufgaben wappnen möchte, hängt weitere 18 Monate dran, um als Elektroniker für Betriebstechniker Fuß zu fassen. Idealerweise bei SPIE. Denn: „Wenn wir ausbilden, dann für uns“, pflichtet Hannes Simon bei. So liege die Übernahmequote bei 90 Prozent.

Dies sei ein starkes Signal an und auch eine Erleichterung für die Azubis, erklärt Matthias Hermans: „Unsere Auszubildenden sollen sich von Tag 1 wie vollwertige SPIE Mitarbeiter fühlen“. Dadurch könnten sich die jungen Leute auf das konzentrieren, worauf es ankommt. Anfangs sind das die elektrotechnischen Grundlagen. Elementar ist der Sicherheitsaspekt. Der Umgang mit Hochspannung birgt Risiken, wenn Regeln nicht beachtet werden. Diese Basics eignen sich die Azubis bei High Voltage auch am Standort in Oberhausen an – noch. Im Frühjahr 2024 ziehen Matthias Hermans und seine Schützlinge nach Essen-Altenessen um.

Neues Ausbildungszentrum entsteht in Altenessen

Dort, in der Wolbeckstraße 21, befindet sich die Essener Niederlassung des Geschäftsbereichs High Voltage. In einem Gebäudekomplex auf der gegenüberliegenden Straßenseite entsteht auf 800 Quadratmetern ein neues Ausbildungszentrum. Rund 30 Nachwuchskräfte – zehn mehr als bislang – sollen hier künftig geschult werden.

Matthias Hermans freut sich darauf, „seinen“ Azubis bald schon beste Bedingungen bieten zu können: in der Lehrwerkstatt samt nagelneuer Labortechnik und modernster Lernausstattung. Mit der VR-Brille auf dem Kopf lernen die Auszubildenden beispielsweise, wie man einen Schaltschrank richtig verdrahtet. Sitzen die Handgriffe, geht’s nach der sechsmonatigen Grundausbildung raus auf die Baustellen, um einerseits mit berufsbezogener Materie vertraut gemacht zu werden. Gleichzeitig geht es darum, „das Teamgefühl kennenzulernen“.

Frauen und Technik? Warum sich diese Frage bei SPIE nicht stellt

Bei Arbeiten im Bereich der Hochspannung müsse man sich schließlich auf seinen Nebenmann respektive seine Nebenfrau verlassen können. Unter den aktuell 20 Azubis befinden sich derzeit zwei angehende Elektrikerinnen, zu Hermanns Team gehört zudem eine Ausbilderin. Für SPIE keine „große Sache“, sondern eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben festgestellt, dass die jetzige Generation der Auszubildenden so gut wie gar nicht mehr in Geschlechterkategorien denkt“, berichtet Hannes Simon von seinen Erfahrungen. Recruiting-Maßnahmen richteten sich daher in erster Linie an alle, die ein Faible für Technik haben.

Unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder Schulabschluss – für Matthias Hermans ist ohnehin das wichtigste Kriterium, dass Interessierte eines mitbringen: „Richtig Bock, sich auf den Job einzulassen.“ Dank hoher Bewerberzahlen sei SPIE heute in der Lage, passende Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen.

Patrick Torma

Verfasst von:
Patrick Torma

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