Eigenständig in die Zukunft
Die IHK zu Essen bleibt eigenständig. Mit dieser Entscheidung hat unsere Vollversammlung nach einem intensiven elfmonatigen Prüfprozess die Weichen für die Zukunft unserer IHK gestellt. Nach sorgfältiger Abwägung aller Chancen, Potenziale und Risiken einer möglichen Vereinigung mit der IHK Mittleres Ruhrgebiet folgten die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Wirtschaft einstimmig der Empfehlung des Präsidiums, die gemeinsam abgestimmte Beschlussvorlage abzulehnen.
Ziel des Prüfprozesses war es, die Chancen und Herausforderungen einer gemeinsamen IHK zu bewerten und zu prüfen, wie die Interessen der Unternehmen in einem sich wandelnden wirtschaftlichen Umfeld künftig bestmöglich vertreten werden können. Dabei wurden organisatorische, strategische und wirtschaftliche Aspekte intensiv beleuchtet.
Im Verlauf der Beratungen kristallisierte sich heraus, dass insbesondere hinsichtlich der wirtschaftlichen Grundlagen einer möglichen Vereinigung noch offene Fragen bestehen. Diese führten sowohl im Präsidium als auch in der Vollversammlung zu Unsicherheiten bei der abschließenden Bewertung des Vorhabens.
„Nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung aller vorliegenden Informationen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass derzeit nicht der richtige Zeitpunkt für eine Vereinigung ist. Insbesondere die offenen Fragen zur wirtschaftlichen Grundlage lassen eine verlässliche Bewertung aktuell nicht zu. Deshalb haben wir der Vollversammlung empfohlen, die Beschlussvorlage abzulehnen. Gleichzeitig haben viele Mitglieder der Vollversammlung deutlich gemacht, dass sie die Entwicklung, die zu einer Vereinigung führen könnten, künftig weiter aufmerksam verfolgen möchten“, erklärt unser Präsident Gerd Kleemeyer.
Mit der Entscheidung der Vollversammlung ist nun Klarheit geschaffen worden. Gleichzeitig hat der Prüfprozess wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unserer eigenen Organisation geliefert. Diese werden wir nutzen, um die IHK zu Essen auch künftig leistungsfähig, nah an den Unternehmen und zukunftsorientiert aufzustellen.
Wirtschaftliche Interessen vertreten – auch während des Prüfprozesses
Unsere Unternehmen sehen sich weiterhin mit steigenden Kosten für Energie, Personal und Materialien, einem hohen bürokratischen Aufwand, Fachkräftemangel sowie den Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen konfrontiert. Umso wichtiger ist es, die Perspektive der Wirtschaft weiterhin sichtbar zu machen und konkrete Unterstützung anzubieten.
So haben wir Unternehmen in unserer Region zu den Auswirkungen des Nahost-Konflikts befragt. Ziel war es, frühzeitig zu erkennen, welche Folgen die geopolitische Lage auf Lieferketten, Absatzmärkte und Investitionsentscheidungen hat. Die Ergebnisse dienten als wichtige Grundlage für unsere wirtschaftspolitische Arbeit.
Auch bei regionalen Infrastrukturthemen brachten wir uns konsequent ein. Nach der Sperrung der A52 haben wir schnell reagiert, die Auswirkungen auf die Unternehmen deutlich gemacht und praktikable Lösungen eingefordert. Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur bleibt ein entscheidender Standortfaktor für unsere Region.

Fachkräfte sichern und Potenziale erschließen
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit lag erneut auf der Fachkräftesicherung. Mit dem Azubi-Speeddating haben wir junge Menschen und Ausbildungsbetriebe unkompliziert zusammengebracht und damit Unternehmen bei der Besetzung offener Ausbildungsplätze unterstützt.
Mit unseren Speedtalks für Studienzweifler haben wir zudem jungen Menschen Perspektiven in der beruflichen Bildung aufgezeigt und Betrieben den Zugang zu einer qualifizierten Zielgruppe ermöglicht.
Ein neues Format ist die Roadshow „IHK Pop-Up Aus- und Weiterbildung“, die gemeinsam mit den IHKs im Ruhrgebiet organisiert wird. Mit diesem niedrigschwelligen Angebot bringen wir die Themen Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Entwicklung direkt in die Innenstädte und erreichen so neue Zielgruppen. Ziel ist es, die vielfältigen Chancen der beruflichen Bildung noch sichtbarer zu machen und Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften noch mehr zu unterstützen.
Stimme der Wirtschaft in Politik und Öffentlichkeit
Eine starke Interessenvertretung benötigt belastbare Daten. Mit unserem Konjunkturbericht haben wir regelmäßig die wirtschaftliche Lage der Unternehmen in Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen analysiert. Die Ergebnisse liefern Unternehmen Orientierung und dienen politischen Entscheidungsträgern als wichtige Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen.
Auch bei gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Zukunftsthemen nahmen wir unsere Rolle als Plattform für Meinungsbildung wahr. Zur Olympia-Bewerbung haben wir neutral Informationen zusammengetragen und die Diskussion innerhalb unserer Gremien begleitet. Auf dieser Grundlage hat die Vollversammlung im März einen unterstützenden Beschluss gefasst.
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Bei der Diskussion um die geplante Bettensteuer in Oberhausen haben wir die Interessen der betroffenen Unternehmen vertreten und deutlich gemacht, dass zusätzliche Belastungen für Betriebe in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kritisch zu bewerten sind.
Darüber hinaus brachten wir die Anliegen unserer regionalen Wirtschaft auch überregional ein. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin hat erneut verdeutlicht, wie wichtig es ist, Themen aus unserer Region auf Bundesebene sichtbar zu machen und dort für bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen einzutreten.
Nah an den Unternehmen
Die Grundlage unserer Arbeit bleibt der direkte Austausch mit den Unternehmen. Deshalb haben wir auch in den vergangenen Monaten zahlreiche Unternehmensbesuche durchgeführt. Sie ermöglichen uns, aktuelle Herausforderungen unmittelbar aus der Praxis kennenzulernen und unsere Positionen auf den tatsächlichen Erfahrungen der Wirtschaft aufzubauen.
Denn unser Anspruch ist klar: Wir wollen nicht über die Wirtschaft sprechen, sondern aus ihrer Mitte heraus handeln.
Bewährtes stärken, Neues entwickeln
Neben unseren klassischen Aufgaben haben wir auch bestehende Veranstaltungsformate weiterentwickelt und neue Impulse gesetzt. Ein Beispiel dafür ist „Pitch and Connect meets Sicherheitstag“. Mit diesem neuen Veranstaltungsformat haben wir die Themen Innovation, Unternehmertum und Sicherheit miteinander verbunden und Unternehmen die Möglichkeit gegeben, neue Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren.
Die vergangenen Monate haben gezeigt: Die Herausforderungen für die regionale Wirtschaft bleiben groß. Die wirtschaftliche Transformation, die Fachkräftesicherung, der Bürokratieabbau und die Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts werden uns auch in Zukunft intensiv beschäftigen.
Mit der Entscheidung unserer Vollversammlung haben wir nun Klarheit über den weiteren Weg geschaffen. Als eigenständige IHK werden wir uns weiterhin mit voller Kraft für die Unternehmen in Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen einsetzen und gemeinsam mit ihnen die Zukunft unserer Region gestalten.




