
IHK-Sachverständigentag NRW 2026 bringt Expertinnen und Experten zusammen
Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige übernehmen eine wichtige Aufgabe für Gerichte, Unternehmen, Behörden und Privatpersonen. Sie bewerten Schäden, prüfen Sachverhalte neutral und liefern unabhängige Einschätzungen – oft in komplexen und konfliktbeladenen Situationen. Gleichzeitig entwickeln sich Anforderungen und Fragestellungen stetig weiter. Umso wichtiger ist der fachliche Austausch.
Genau dafür bietet der IHK-Sachverständigentag NRW am 9. September 2026 eine zentrale Plattform. Erstmals veranstalten die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen den Sachverständigentag gemeinsam in einem landesweiten Format. Neben Fachvorträgen und aktuellen Entwicklungen im Sachverständigenwesen stehen Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt. Auch NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach wird an der Veranstaltung teilnehmen.
Wie vielfältig die Tätigkeit öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ist, zeigen drei Beispiele aus der IHK-Region Essen.
Auf Spurensuche im Asphalt
Seit 2015 ist Dr. Verena Rosauer öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Asphaltbauweisen und Baustoffe im Verkehrswegebau. Bereits während ihres Studiums sammelte sie erste Erfahrungen im Sachverständigenwesen und begleitete erfahrene Gutachter bei ihrer Arbeit.
Im Mittelpunkt ihrer Gutachten stehen häufig Schäden an Straßenoberflächen: Asphaltdeckschichten zeigen frühzeitig Risse, verlieren an Griffigkeit oder weisen Schlaglöcher auf. Für Dr. Rosauer beginnt die eigentliche Arbeit oft weit hinter dem Sichtbaren. Akten werden ausgewertet, Abläufe rekonstruiert und technische Details analysiert. „Das ist fast wie eine Detektivarbeit“, beschreibt sie ihre Tätigkeit.
Besonders spannend findet sie die Vielfalt der Fälle. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen im Straßenbau stetig – etwa durch neue Materialien, höhere Verkehrsbelastungen und die Auswirkungen des Klimawandels.
Den erstmals NRW-weiten IHK-Sachverständigentag bewertet sie positiv: „Ich sehe den IHK-Sachverständigentag NRW als große Chance, dass man sich mehr über die verschiedenen Tätigkeitsfelder austauschen kann.“
Das ausführliche Unternehmensporträt finden Sie hier.
© IHK zu Essen/Christian Hövelmann»Das ist fast wie eine Detektivarbeit.«
Dr. Verena Rosauer

Von kleinen Häusern bis zu großen Industrieanlagen
Auch Sabine Berchem, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken, schätzt die Vielseitigkeit ihres Berufs. Die Architektin kam eher ungeplant zur Sachverständigentätigkeit, nachdem sie ihren Vater, selbst Sachverständiger, bei Gutachten unterstützte.
Heute bewertet sie Immobilien bei Erbschaften, Firmenübergaben oder gerichtlichen Verfahren. Besonders wichtig ist ihr dabei Neutralität: „Neutralität ist absolut oberste Priorität. Wir sind für Gerichte das fachliche Auge vor Ort.“
Zu ihren eindrucksvollsten Projekten zählt unter anderem die Bewertung einer großen Industrieimmobilie in Duisburg. Auch die „Grüne Zitadelle“ in Magdeburg, das letzte von Friedensreich Hundertwasser entworfene Gebäude, blieb ihr besonders in Erinnerung.
Veranstaltungen wie der Sachverständigentag seien aus ihrer Sicht wichtig, um neue Perspektiven kennenzulernen und die Tätigkeit sichtbarer zu machen: „Gerade der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen schafft neue Perspektiven.“
Das ausführliche Unternehmensporträt finden Sie hier.
Mit Sachverstand und Leidenschaft für Wein
Dass Sachverständigentätigkeit weit über technische Bereiche hinausgeht, zeigt das Beispiel von Markus Del Monego. Der Sommelier-Weltmeister und „Master of Wine“ ist seit 2010 vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Weinen bei der IHK zu Essen.
In seiner Arbeit bewertet er unter anderem Weinsammlungen nach Schäden, bei Erbschaften oder bei Verdacht auf Fälschungen. Gerade bei historischen Weinen sei die Recherche oft besonders aufwendig: „Gerade hier sind Originalflaschen zum Vergleich schwer zu finden. Dann braucht es intensive Recherchearbeit und ein gutes Netzwerk zu Importeuren, Weingütern und internationalen Händlern.“
Ein Fall blieb ihm besonders im Gedächtnis: Bei einem Verdacht auf Weinfälschung wurde er von der Kriminalpolizei hinzugezogen. „Innerhalb von 15 Minuten war klar, dass es sich um Fälschungen handelt“, erinnert sich Del Monego.
Auch für ihn steht Neutralität im Mittelpunkt der Arbeit: „Neutralität ist das A und O. Nur wer unabhängig arbeitet, kann Sachverhalte objektiv bewerten.“
Das ausführliche Unternehmensporträt finden Sie hier.
© Ralf Schultheiß