Ein Pfeil am Himmel sinkt und eine Mann mit einem Regenschirm fliegt in der Luft.

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„Buy European“ verunsichert Wirtschaft: DIHK sieht Bürokratie‑Risiko – Mehrheit der Unternehmen erwartet Nachteile

Aktuelle Umfrage zeigt spürbare Auswirkungen

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt vor neuen Belastungen für Unternehmen durch die im Industrial Accelerator Act (IAA) vorgesehenen „Buy European“-Vorgaben. Eine aktuelle DIHK‑Umfrage zeigt, dass drei von vier Unternehmen spürbare Auswirkungen auf ihr Geschäft erwarten. 55 Prozent der Betriebe rechnen demnach mit zusätzlicher Bürokratie durch umfangreichere Herkunftsnachweise; 42 Prozent befürchten höhere Produktionskosten. Zugleich hoffen 43 Prozent auf Wettbewerbsvorteile im EU‑Binnenmarkt, während 36 Prozent Gegenreaktionen wichtiger Handelspartner und eingeschränkten Zugang zu Drittlandmärkten fürchten. 29 Prozent der Unternehmen sehen zudem das Risiko, bestehende Lieferanten zu verlieren.
DIHK‑Außenwirtschaftschef Volker Treier kritisiert, der Gesetzesvorschlag setze „branchenspezifische und kleinteilige Ansätze“, die neue bürokratische Hürden erzeugten. „Die deutsche Industrie braucht jetzt vor allem das Signal, dass das

Wirtschaften in Europa für alle einfacher und kostengünstiger wird“, so Treier. Statt eines Befreiungsschlages drohe der IAA, „in unternehmerische Entscheidungen einzugreifen“ und „handelspolitisch die falsche Botschaft in die Welt“ zu senden. „Wer Europa stärken will, darf wichtige Partner nicht vor den Kopf stoßen.“ Zusätzliche Auflagen, weitreichende Ursprungsnachweise und komplexe Anforderungen etwa in der Vergabepraxis würden vor allem kleine und mittelständische Unternehmen belasten und Zeit, Geld und Wettbewerbsfähigkeit kosten.
Nach Einschätzung der DIHK gehen zwar einzelne Elemente des IAA – etwa die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren – in die richtige Richtung, doch eine spürbare Entlastung für die Breite der Wirtschaft bleibe aus. Insgesamt zeigten die Umfragewerte, wie groß die Sorge vor wachsender Regulierung sei und wie sensibel Unternehmen auf neue Vorgaben reagierten.

Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus

Die deutsche Konjunktur kommt auch 2026 nicht vom Fleck. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Standortkosten und eine schwache Inlandsnachfrage liegen wie Blei auf der Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Jahresbeginn 2026, die die Stimmungslage von rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen abbildet. „Die wachsende Weltwirtschaft und erhöhte Staatsausgaben, etwa für Sicherheit und Verteidigung, geben einzelnen Bereichen leichten Auftrieb. In der Breite kommt davon jedoch zu wenig an“, erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov.
Nur ein Viertel der Unternehmen bewertet seine Geschäftslage zu Jahresbeginn als gut, ein weiteres Viertel als schlecht. Trotz angekündigter Reformen der Bundesregierung ist auch der Blick nach vorne nur geringfügig optimistischer als noch im Herbst: Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Die Umfrage unterstreicht die strukturellen Belastungen: Als Geschäftsrisiken nennen die Unternehmen nicht nur konjunkturelle Risiken wie die schwache Nachfrage im Inland (59 Prozent). Sie sehen sich insbesondere auch durch strukturelle Faktoren wie gestiegene Arbeitskosten (59 Prozent), unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (58 Prozent) und hohe Energie- und Rohstoffpreise (48 Prozent) belastet. „Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar. Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus“, sagt Melnikov. „Wir müssen jetzt zwei Gänge hochschalten und das Tempo erhöhen: Bürokratie runter, Arbeits- und Energiekosten runter, Regeln verlässlich. Das schafft Vertrauen und setzt Investitionen frei.“

»Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus.«

Welche Chancen/ Risiken eines „Buy European“ – Ansatzes erwarten Sie für Ihr Unternehmen?

Grafik zu den Chancen und Risiken eines "Buy European" - Ansatzes.© Going International 2026

Was für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft in Europa wichtig ist

Mit dem geplanten „Circular Economy Act“ will die EU eine zentrale Weichenstellung für Ressourceneffizienz und Abfallvermeidung vornehmen. Das Gesetzgebungspaket soll dafür sorgen, dass Produkte langlebiger werden, Materialien stärker wiederverwendet werden und Sekundärrohstoffe leichter am Markt zirkulieren können. In zehn Leitsätzen zeigt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit der Circular Economy Act wirksam werden

kann, ohne Unternehmen zu überfordern. Dazu gehören verlässliche Regeln, weniger Bürokratie, funktionierende Märkte für Sekundärrohstoffe und ein starker europäischer Binnenmarkt.
Die DIHK zeigt auf: Die Kreislaufwirtschaft eröffnet neue Chancen – setzt aber zugleich voraus, dass politische Vorgaben realistisch gestaltet sind und betriebliche Abläufe nicht unnötig belasten.

Weitere Informationen

Den ausführlichen Artikel zu: „Aktuelle Umfrage zeigt spürbare Auswirkungen“ finden Sie hier.

Den ausführlichen Artikel zu: „Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus“ finden Sie hier.

Den ausführlichen Artikel zu: „Was für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft in Europa wichtig ist“ finden Sie hier.

Leana Piria

Verfasst von:
Leana Piria

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