Manchmal läuft es rund, manchmal hakt es an vielen Stellen. In jedem Unternehmen fordert der Alltag Entscheidungen, Verantwortung und oft auch Durchhaltevermögen. Das Tagesgeschäft duldet keinen Aufschub und lässt wenig Raum für Themen, die nicht sofort drängen. Und doch gibt es eine Frage, die sich nicht dauerhaft zur Seite schieben lässt. Wie geht es weiter, wenn Sie sich aus dem Unternehmen zurückziehen?
Unternehmensnachfolge ist kein Thema für später. Sie ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Unternehmerleben. Es geht um Zahlen, Verträge und Strukturen, aber ebenso um Menschen, Werte und das, was über Jahre aufgebaut wurde. Nachfolge bedeutet nicht, alles aus der Hand zu geben. Sie eröffnet die Möglichkeit, Verantwortung bewusst zu übergeben, Klarheit zu schaffen und die Zukunft des eigenen Unternehmens aktiv zu gestalten.
Warum ist die Unternehmensnachfolge entscheidend für die MEO-Region?
Unternehmensnachfolge ist kein Randthema, sondern eine Frage mit weitreichender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Region. In der MEO-Region sind es vor allem inhabergeführte Unternehmen, die seit Jahrzehnten für Stabilität, Beschäftigung und Wertschöpfung sorgen. Sie prägen Branchen, sichern Ausbildungsplätze und übernehmen Verantwortung, oft über Generationen hinweg. Wenn diese Unternehmen vor einem Generationswechsel stehen, betrifft das nicht nur einzelne Betriebe, sondern das wirtschaftliche Gefüge der gesamten Region.
Der demografische Wandel macht die Herausforderung sichtbar. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer erreichen in den kommenden Jahren ein Alter, in dem die Übergabe des Unternehmens unausweichlich wird. Gleichzeitig verändert sich das Umfeld, in dem Nachfolge stattfindet. Fachkräfte werden knapper, Anforderungen an Führung und Organisation steigen, Märkte werden dynamischer. Nachfolge wird damit komplexer und anspruchsvoller. Sie lässt sich nicht mehr beiläufig regeln, sondern erfordert Planung, Zeit und klare Entscheidungen.
Für die MEO-Region steht dabei viel auf dem Spiel. Gelingt die Nachfolge, bleiben Unternehmen erhalten, Know how wird weitergegeben und Arbeitsplätze werden gesichert. Misslingt sie oder wird sie zu lange aufgeschoben, drohen Schließungen, Abwanderung von Wissen und der Verlust wirtschaftlicher Vielfalt.
Unternehmensnachfolge entscheidet somit mit darüber, wie robust und zukunftsfähig eine Region aufgestellt ist.
Genau aus diesem Grund ist Nachfolge auch ein zentrales Thema für uns. Als Selbstverwaltung der Wirtschaft trägt sie Verantwortung für die Rahmenbedingungen unternehmerischen Handelns. Sie beobachtet Entwicklungen, bündelt Interessen und bringt wirtschaftliche Themen in den öffentlichen Diskurs ein. Unternehmensnachfolge ist dabei kein individuelles Einzelschicksal, sondern ein strukturelles Thema, das langfristige Auswirkungen auf Beschäftigung, Ausbildung und Standortattraktivität hat.
Für uns bedeutet das, frühzeitig zu sensibilisieren, Veranstaltungs- und Informationsangebote zu schaffen, Sprechstunden mit Experten anzubieten, Tools und Checklisten zur Verfügung zu stellen, Zugang zu Nachfolge-Plattformen zu stellen, beratende Ansprechpartnerin während des gesamten Nachfolgeprozesses zu sein und die Bedeutung des Themas immer wieder zu betonen. Nicht als Mahnung, sondern als Einladung, sich rechtzeitig mit einer der wichtigsten unternehmerischen Fragen auseinanderzusetzen. Denn nur wenn Nachfolge als gestaltbare Aufgabe verstanden wird, kann sie ihre Wirkung entfalten. Für Unternehmen, für Beschäftigte und für die wirtschaftliche Zukunft unserer Region.
Der Nachfolgefahrplan
Unternehmensnachfolge wirkt oft wie ein großes, unübersichtliches Projekt. Genau hier setzt der Nachfolgefahrplan an. Er strukturiert den Prozess in fünf aufeinander aufbauende Phasen und macht sichtbar, wo Sie stehen und welche Schritte vor Ihnen liegen. Dabei wird deutlich: Nachfolge ist kein einzelner Akt, sondern ein Weg, der Zeit braucht und bewusst gestaltet werden sollte.
Phase 1: Information und Bestandsaufnahme
Am Anfang steht die ehrliche Standortbestimmung. Sind Sie grundsätzlich bereit, sich mit der Übergabe zu beschäftigen? Ist Ihr Unternehmen übergabefähig und kann auch mit einer anderen Person an der Spitze erfolgreich am Markt bestehen? In dieser Phase geht es darum, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen und sich erstmals mit der eigenen Rolle nach der Übergabe auseinanderzusetzen. Auch eine Notfallplanung gehört hierher, damit das Unternehmen im Ernstfall handlungsfähig bleibt.
Phase 2: Analyse und Strategie
Nun folgt der Blick in die Tiefe. Das Unternehmen wird analysiert, eine Bewertung vorgenommen und die eigene Zielsetzung geschärft. Wann soll die Übergabe erfolgen. Wie hoch ist der persönliche Finanzbedarf für die Zeit danach. Und welche strategische Ausrichtung soll das Unternehmen künftig haben. Diese Phase schafft Klarheit und bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Phase 3: Konzept und Geschäftsplan
Auf Basis der Analyse werden konkrete Maßnahmen entwickelt. Welche Übertragungsform kommt in Frage? Soll zunächst die Leitung oder auch das Eigentum übergehen? Rechtliche, steuerliche und finanzielle Aspekte werden berücksichtigt und die einzelnen Nachfolgeschritte geplant. Auch die Einarbeitung der künftigen Unternehmensführung und die Kommunikation der Nachfolge spielen hier eine zentrale Rolle.
Phase 4: Umsetzung und Übertragung
Jetzt wird der Plan Realität. Die vorbereiteten Schritte werden umgesetzt, Verträge geschlossen und Verantwortung übertragen. Mitarbeitende, Kunden und Geschäftspartner brauchen Orientierung und Vertrauen. Eine klare Kommunikation hilft, Stabilität in dieser sensiblen Phase zu sichern. Mit der Eigentumsübertragung ist die formale Nachfolge abgeschlossen, der Prozess jedoch noch nicht.
Phase 5: Aufbruch und Leben nach der Übertragung
Nach der Übergabe beginnt ein neuer Abschnitt. Für die neue Unternehmensführung ebenso wie für Sie. Die eigene Rolle wird neu definiert, sei es als Berater oder vollständig außerhalb des Unternehmens. Gleichzeitig entsteht Raum für neue Aktivitäten und persönliche Pläne. Eine bewusst gestaltete letzte Phase trägt entscheidend dazu bei, dass Nachfolge nicht als Bruch, sondern als gelungener Übergang erlebt wird.
Der Nachfolgefahrplan zeigt, dass es für jede Übergabe keinen starren Ablauf, aber klare Orientierungspunkte gibt. Wer diesen Weg kennt, trifft Entscheidungen nicht unter Zeitdruck, sondern mit Weitblick.
Steuerliche Weichen richtig stellen
Die steuerliche Gestaltung gehört zu den zentralen Stellschrauben einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge. Welche Folgen eine Übergabe haben kann und worauf Unternehmerinnen und Unternehmer besonders achten sollten, erklärt Isabell Meckel, Steuerberaterin und Geschäftsführerin der Leucht & Meckel GmbH Steuerberatungsgesellschaft
1. Welche steuerlichen Folgen hat die Übertragung meines Unternehmens auf die nächste Generation, und wie kann ich die Steuerbelastung möglichst geringhalten?
Isabell Meckel: Bei der Übertragung eines Unternehmens können je nach Gestaltung Einkommensteuer, Schenkung- oder Erbschaftsteuer sowie ggf. Grunderwerbsteuer anfallen. Durch eine frühzeitige Planung lassen sich Steuerbelastungen oft deutlich reduzieren, etwa durch die Nutzung von Freibeträgen, Verschonungsregelungen für Betriebsvermögen oder eine schrittweise Übertragung. Wichtig ist, die persönliche und betriebliche Situation ganzheitlich zu betrachten.
2. Welche Unterschiede ergeben sich steuerlich zwischen einer Unternehmensnachfolge durch Schenkung, Verkauf oder Erbschaft, und welche Variante wäre in meiner Situation sinnvoll?
Isabell Meckel: Eine Schenkung ermöglicht es, Freibeträge zu Lebzeiten mehrfach zu nutzen, während bei einer Erbschaft diese nur einmal greifen. Ein Verkauf kann Liquidität sichern, löst aber häufig Einkommensteuer auf stille Reserven aus. Welche Variante sinnvoll ist, hängt u. a. von Ihrem Alter, Ihrer Versorgung, der Ertragslage des Unternehmens und den Nachfolgern ab. Oft ist eine Kombination aus mehreren Modellen optimal.
3. Welche steuerlichen Fristen, Freibeträge und Gestaltungsoptionen muss ich bei der Planung der Unternehmensnachfolge unbedingt beachten, um spätere Risiken zu vermeiden?
Isabell Meckel: Besonders wichtig sind die persönlichen Freibeträge, die Behaltensfristen für steuerlich begünstigtes Betriebsvermögen sowie Bewertungsregeln. Zudem sollten Zahlungsfristen und mögliche Steuerstundungen eingeplant werden. Eine saubere Dokumentation und rechtzeitige Abstimmung mit Steuer- und Rechtsberatern hilft, spätere Steuerrisiken oder Nachforderungen zu vermeiden.
Abschlussfrage: Und was rät die Expertin zum zeitlichen Vorlauf?
Isabell Meckel: Denken Sie nicht über Vorläufe nach, die sind länger als gedacht, sondern fangen Sie an zu handeln. Immer kann ein ungeplantes Ereignis eintreten und für diesen Fall sollten Unternehmer im Interesse der Familie, Mitarbeiter und Geschäftspartner vorbereitet sein.
»Denken Sie nicht über Vorläufe nach, die sind länger als gedacht, sondern fangen Sie an zu handeln.«
Rechtzeitig rechtlich klären
Schon vor der eigentlichen Übergabe müssen grundlegende Weichen gestellt werden, um Haftungsrisiken, spätere Konflikte oder ungeplante Nebenwirkungen zu vermeiden. Welche Punkte dabei typischerweise bedacht werden sollten und warum es selten pauschale Antworten gibt, skizziert Alexander Benninghoff, Rechtsanwalt der Kanzlei HTM Meyer Venn & Partner, im kompakten „3-Fragen-an“-Format. Die Antworten geben einen ersten Einblick in zentrale juristische Fragestellungen rund um die Unternehmensnachfolge und zeigen, warum eine frühzeitige rechtliche Einordnung so wichtig ist.
1. Was sollte ich vor der Übergabe verbindlich festlegen, um später juristische „Fallstricke“ zu vermeiden?
Alexander Benninghoff: Dies ist im immer etwas unterschiedlich, je nach konkretem Sachverhalt: Wird der Betrieb in der Familie verschenkt? Bei Schenkung an eines der Kinder muss die Nachfolge juristisch und steuerlich sinnvoll in die Gesamterbfolge eingebettet sein. Es sollte auch überlegt werden, ob Rückforderungsrechte vereinbart werden, z.B. bei Scheidung des Kindes, wenn der Betrieb sonst in den Zugewinnausgleich fällt, weil es keinen Ehevertrag gibt. Oder wird das Unternehmen anderweitig verkauft? Auch hier bedarf es einer Einzelfallprüfung. Ein Beispiel ist der durchaus häufige Fall, dass
das Unternehmen an einen bisherigen Mitarbeiter, z.B. eine Führungskraft, veräußert wird. Wenn dieser das Unternehmen bereits langjährig kennt, sollte der Übergeber vertraglich eine etwas weniger umfangreiche Gewährleistung für das verkaufte Unternehmen zusagen als bei Verkauf an einen bislang Außenstehenden. Auch sonst ist viel zu bedenken: Wahrt die Übergabe der Kundenkartei den Datenschutz? Der Ertrag aus welchen Geschäften soll noch dem Übergeber zustehen? Dies sind nur Beispiele. Eine individuelle Beratung ist meist unverzichtbar.
2. Welche Risiken gehe ich nach der Übergabe noch ein und wie kann ich mich absichern?
Alexander Benninghoff: Sollte es in dem veräußerten Unternehmen „Problemthemen“ zum Nachteil des Übernehmers geben, kann dies ein vertraglicher Gewährleistungsfall sein. Hier sollten ausgewogene Haftungsregelungen im Übergabevertrag stehen, die auch die Verantwortlichkeit
des Übergebers nicht überspannen. Daneben ist auch relevant, für welche Verbindlichkeiten man als früherer Inhaber noch haftet. Hier gilt oftmals eine 5-jährige Nachhaftung. Eine Absicherung kann z.B. in einer Freistellungsvereinbarung mit dem Erwerber liegen.
3. Welche Verträge müssen überprüft oder neu aufgesetzt werden, damit der Übergang rechtssicher ausgestaltet ist?
Alexander Benninghoff: Neben dem Übergabevertrag selbst bedarf es oft flankierender Verträge, z. B. zur Übernahme des Geschäftslokals mit dem Vermieter. Bei einer Schenkung an eines der Kinder sollten ggf. weitere
erbrechtliche Regelungen wie Pflichtteilsverzichte der übrigen Geschwister getroffen werden. Auch hier ist jeder Fall anders.
»Ein Unternehmen ist nur so viel wert, wie es ohne seine Schlüsselperson funktionieren kann. Übergabefähigkeit ist daher kein letzter Schritt, sondern der Prozess echter Wertsteigerung. Im ersten Schritt reichen oft schon einfache Mittel: Klare Strukturen, verlässliche Zahlen und unabhängige Prozesse.«
Wie nachfolgefähig ist Ihr Unternehmen?
Eine erfolgreiche Unternehmensübergabe beginnt lange vor dem eigentlichen Stichtag: Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten sollten frühzeitig klar dokumentiert und transparent gestaltet werden. Besonders wichtig sind belastbare Finanzzahlen sowie eine realistische Bewertung des Geschäftsmodells, um potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern Sicherheit zu geben. Zudem sollten Eigentümer früh prüfen, ob das Unternehmen personell, organisatorisch und digital so aufgestellt ist, dass ein reibungsloser Generationenwechsel möglich wird. Stellen Sie sich nicht nur die Frage, welche Kaufpreisvorstellung Sie für Ihr Unternehmen haben, sondern prüfen Sie zunächst, ob die Übergabefähigkeit gegeben ist. Helfen kann hierbei die Checkliste zur Unternehmensübergabe auf unserer Nachfolgeseite helfen (siehe Überblick IHK-Angebote)
Fabian Kiworra, Dozent an der FOM und Geschäftsführer der AUREA Consulting GmbH, hat hierzu eine kompakte Überprüfung aus sieben Aussagen zusammengestellt:
- Das Unternehmen ist zukunftsfähig, wenn der Inhaber morgen ausfallen würde.
- Es gibt eine funktionierende, zweite Führungsebene.
- Ihre Abläufe und Zuständigkeiten sind dokumentiert und nachvollziehbar.
- Das operative Geschäft funktioniert auch ohne die tägliche Präsenz des Inhabers.
- Wir wissen, welche Produkte/Leistungen besonders profitabel sind.
- Wir nutzen transparente, aktuelle Zahlen aus der Buchhaltung zur Unternehmenssteuerung.
- Wir haben eine Übersicht über Rentabilität, je Kunde, Produkt oder Projekt.
Müssen Sie mehr als 3 Fragen verneinen? Dann hängt Ihre Nachfolge nicht am Markt, sondern an Strukturen, die Sie heute schon verbessern können.
„Ein Unternehmen ist nur so viel wert, wie es ohne seine Schlüsselperson funktionieren kann. Übergabefähigkeit ist daher kein letzter Schritt, sondern der Prozess echter Wertsteigerung. Im ersten Schritt reichen oft schon einfache Mittel: Klare Strukturen, verlässliche Zahlen und unabhängige Prozesse.“ – Fabian Kiworra, Aurea Advisory
Nachfolge bewusst gestalten: Warum Loslassen Planung braucht
Interview zwischen Daniel Mund (IHK zu Essen) und Prof. Dr. Arnd Schaff (Professor für Change-Management und Organisationsberater)
Herr Prof. Schaff, viele Unternehmer unterschätzen die emotionale Dimension der Nachfolge. Wie gelingt es, die eigene Rolle loszulassen und gleichzeitig den strategischen Übergang aktiv zu steuern?
Viele Unternehmer unterschätzen vor allem, wie stark die eigene Rolle das Leben bestimmt hat. Das „Loslassen“ gelingt besser, wenn man sich früh überlegt, was nach der Übergabe kommt. Wichtig sind ein klarer Zeitplan, feste Zuständigkeiten und regelmäßige Abstimmung mit dem Nachfolger. Ein neutraler Begleiter kann dabei helfen, Verantwortung Schritt für Schritt auch emotional abzugeben. Wer die eigene Zukunft klar sieht, kann den Übergang für das Unternehmen ruhig und zielgerichtet gestalten.
Welche typischen strategischen Versäumnisse beobachten Sie bei abgebenden Unternehmern?
Häufig fehlt eine rechtzeitige und eindeutige Klärung, wer wofür zuständig ist.„Wir machen das gemeinsam“ schafft selten gute Orientierung. Alle Beteiligten
im Unternehmen, aber auch außerhalb, brauchen klar definierte und terminierte Verantwortungsbereiche. Zudem bleibt die Frage nach der künftigen Gesamtausrichtung häufig offen. Viele unterschätzen, dass ein Wechsel Ziele, Zusammenarbeit und Tempo verändert – das braucht Aufmerksamkeit und klare Ansagen.
Der Generationswechsel bedeutet für Belegschaft und Organisation meist tiefgreifenden Wandel. Welche Hebel kann der abgebende Unternehmer nutzen, um Vertrauen zu schaffen?
Vertrauen entsteht, wenn alle früh wissen, wie es weitergeht. Dazu braucht es einfache, verständliche Informationen: Welche Schritte folgen wann? Wer übernimmt was? Wichtig ist, dass Altinhaber und Nachfolger sichtbar zusammenstehen und keine widersprüchlichen Signale senden. Gemeinsame Entscheidungen und ein klarer Fahrplan verhindern, dass sich „alte“ und „neue“ Lager bilden. So bleibt die Belegschaft sicher und arbeitsfähig.
Vielen Dank, Herr Prof. Schaff, für das Gespräch und Ihre wertvollen Hinweise aus Sicht der Organisations- und Change-Begleitung.
„Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ – Antoine de Saint-Exupéry
Wir haben viel gelesen über Steuern, Recht, Bewertung, Strategie und Veränderung. Über Fahrpläne, Fristen und Zuständigkeiten. All das ist notwendig. All das schafft Struktur. Und doch bleibt die Frage, was diese sichtbaren Elemente im Kern miteinander verbindet.
Denn Nachfolge ist nicht die Summe präzise gelöster Teilaufgaben wie Steuergestaltung, rechtliche Absicherung, Finanzierung und Organisation. Jede für sich ist wichtig, doch sie bleiben isolierte Bausteine, wenn ihnen das verbindende Element fehlt. Dieses eine bestimmte Element, die Unternehmenskultur.
Unternehmenskultur ist nicht greifbar wie ein Vertrag, aber sie ist das, was bleibt, wenn Prozesse enden und Organigramme nicht mehr weiterhelfen. Sie zeigt sich im täglichen Miteinander, im Umgang mit Verantwortung, Fehlern und Erfolg. Oft unausgesprochen, aber stets wirksam, entscheidet sie darüber, ob neue Führung Vertrauen findet und ob Wissen, Haltung und Erfahrung weitergetragen werden.
Fazit
Am Ende ist die Nachfolge kein rein technischer Akt, sondern ein kultureller Prozess. Wer sich nur auf das Sichtbare konzentriert, übersieht die Kraft, die das Unternehmen im Innersten zusammenhält. Eine erfolgreiche Übergabe gelingt dann, wenn die Beteiligten nicht nur Schlüssel und Bilanzen übergeben, sondern auch das gegenseitige Verständnis für die Werte, die das Haus tragen. Denn während Fachwissen die Basis bildet, ist es die Kultur, die der Nachfolge erst ihre dauerhafte Stabilität verleiht.
Nachfolge braucht Orientierung und die richtigen Impulse zur richtigen Zeit.
Ob unsere eigenen Formate oder gezielt integrierte Nachfolge-Schwerpunkte in bestehenden Netzwerken und Kooperationen mit Partnern der Region: 2026 bietet zahlreiche Gelegenheiten, sich zu informieren, auszutauschen und aktiv ins Handeln zu kommen. Die folgenden Veranstaltungen zeigen, wie vielfältig das Thema Nachfolge gedacht und gestaltet werden kann:
Nachfolge.Klartext
Erfolgsfaktor Unternehmensnachfolge: Bei unserer Praxisreihe „Nachfolge.Klartext“ stehen 2026 wieder neben zentralen Themen wie Steuer & Recht und Finanzierung & Absicherung in der Nachfolge auch neue Aspekte wie Strategie & Change Management sowie Kultur im Fokus. Experten und Expertinnen geben klare, kompakte Impulsvorträge und stehen bei anschließenden Drinks & Snacks für einen offenen Austausch zu Verfügung.
18.03.2026 in Essen (3 weitere Termine in 2026 folgen)
Netzwerk Zukunft MEO
Das Netzwerk Zukunft MEO bringt Unternehmer und Unternehmerinnen, zusammen, um Zukunftsthemen, Innovation und nachhaltiges Wachstum der Region MEO aktiv mitzugestalten. Diesmal steht das Thema Nachfolge im Mittelpunkt und wird sowohl von den Gastgebern, die selbst in der Nachfolge stehen, mit einem spannenden Best-Practice-Beispiel erlebbar gemacht, als auch von geladenen Experten mit wertvollem Input bereichert.
20.05.2026 bei Knappmann GmbH&Co. Landschaftsbau KG in Essen
Unternehmensbewertungssprechtag
Wertvoller Input für Ihre Nachfolgeplanung: Beim Unternehmensbewertungssprechtag bewerten erfahrene Expertinnen und Experten kostenlos die Unternehmenskennzahlen und beraten Sie persönlich zu Ihrer Situation. Nutzen Sie dieses Format zur gezielten Vorbereitung Ihrer Übergabe oder Übernahme.
03.03.2026 in Dortmund | 16.06.2026 in Essen | 02.09.2026 in Bochum | 08.12.2026 in Dortmund
Finanzierungssprechtag
Liquidität, Kreditlösungen, Fördermittel: Der Finanzierungssprechtag bietet praxisnahe 1:1-Beratung zu Finanzierungsfragen in allen Unternehmensphasen, auch zur Unternehmensübernahme oder dem Wachstum nach der Übernahme. Expertinnen und Experten aus Bank-, Förder- und Kapitalmärkten beantworten Ihre Finanzierungsfragen individuell und kompetent.
22.04.2026 in Mülheim | 15.07.2026 in Oberhausen | 11.11.2026 in Essen
Webinarreihe FOKUS
Digital, kostenfrei und themenscharf: Die Webinarreihe FOKUS beleuchtet von Juni bis Dezember 2026 praxisrelevante Aspekte der Nachfolge. In jeweils 90 Minuten informieren die praxiserfahrenen Expertinnen und Experten über das jeweilige Themenfeld und es besteht die Möglichkeit zum anschließenden Fachaustausch.
16.04.2026: Externe Nachfolge – Der Suchprozess | 13.05.2026: Die Kunst des Businessplans | 14. 07.2026: Rechtliche und steuerrechtliche Aspekte der Unternehmensnachfolge | 08.09.2026: Dos und don´ts der Nachfolge | 23.09.2026: Strategische Finanzierungslösungen für Unternehmensübernahmen | 13.10.2026: Wie viel ist (m)ein Unternehmen wert? | 12.11.2026: Change Management | 02.12.2026: Nachfolge ist weiblich
Verleihung Nachfolgepreis NRW
Mit dem Nachfolgepreis.NRW würdigen IHKs und Partner herausragende Beispiele gelungener Unternehmensnachfolgen in Nordrhein-Westfalen. Die Preisverleihung ist ein Branchentreffpunkt mit Best-Practice-Stories, Inspiration und Netzwerkmöglichkeiten, ein Highlight für Nachfolgeinteressierte und Gestalter der Wirtschaft.
Termin 2026 wird noch bekannt gegeben
Gründunsforum
Das Gründungsforum vernetzt Gründungs- und auch Nachfolgeinteressierte und bietet die Möglichkeiten bei verschiedenen Thementischen eine Vielzahl an Informationen zu bekommen und mit erfahrenen Experten in den Austausch zu gehen. Für die Nachfolge gibt es sogar einen eigenen Tisch: Nachfolge als Alternative zur Neugründung
11.06.2026 in Mülheim
Nachfolge gut vorbereiten: Ein Überblick über unsere Angebote
Eine Unternehmensnachfolge ist und bleibt einer der komplexesten Schritte im Lebenszyklus eines Betriebs. Erfahrungsgemäß wird der Prozess selten zu früh, aber häufig zu spät angestoßen. Dabei gilt: Je früher die Planung, desto größer die Chance auf eine stabile Zukunft für das Unternehmen. Die IHK empfiehlt, mindestens drei bis fünf Jahre vor der Übergabe mit der Strukturierung zu beginnen. Also genau dann,
wenn noch genügend Zeit bleibt, betriebliche, finanzielle und persönliche Fragen in Ruhe zu klären. Unser Team Unternehmensförderung der IHK zu Essen steht Unternehmen dabei als verlässlicher Lotse zur Seite. Wir unterstützen sowohl abgebende Unternehmerinnen und Unternehmer als auch potenzielle Nachfolgende.
Persönliche Beratung: individuell, praxisnah, verbindlich
Ein persönliches Gespräch mit den IHK-Experten ist oft der erste Schritt. In der Erstberatung werden zentrale Fragestellungen rund um die Unternehmensnachfolge beleuchtet, potenzielle Herausforderungen identifiziert und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dabei geht es um mehr als nur Fakten, es geht um Ihre Ziele, Ihre Strategie und Ihren persönlichen Zeitplan für den Übergabeprozess.
Das Praxishandbuch: Kompakte Unterstützung für beide Seiten
Mit dem überarbeiteten IHK‑Praxishandbuch erhalten Übergeberinnen bzw. Übergeber und Übernehmende ein umfassendes Arbeitsinstrument. Neben einem Überblick über gängige Übergabemodelle werden Methoden der Unternehmensbewertung, Fragen der Altersvorsorge und typische Finanzierungswege erklärt. Zudem bietet das Handbuch praktische Checklisten und Formulare, die den Prozess strukturieren und die Umsetzung erleichtern.
Notfallhandbuch für Unternehmen: handlungsfähig bleiben, wenn es darauf ankommt
Ein plötzlicher Ausfall der Unternehmensleitung kann gravierende Folgen haben: fehlende Vollmachten, unbekannte Zugänge, fehlende Übersicht über Verträge oder Finanzen. Das IHK‑Notfallhandbuch schafft Abhilfe. Es hilft Unternehmen dabei, zentrale Informationen, Zuständigkeiten und Dokumente so zu hinterlegen, dass der Betrieb auch in kritischen Situationen arbeitsfähig bleibt. Damit schützt es nicht nur das Unternehmen, sondern auch Mitarbeitende und Familienangehörige der Führungspersonen.
DIHK‑Report Unternehmensnachfolge 2025 und IHK-Nachfolgereport NRW
Der aktuelle DIHK‑Report macht deutlich, wie herausfordernd die Nachfolgesuche inzwischen geworden ist: 2024 führten die IHKs bundesweit knapp 10.000 Nachfolgeberatungen durch – ein Rekordniveau. Gleichzeitig meldeten sich nur rund 4.000 Übernahmeinteressierte. Damit stehen vielen Unternehmen schlicht keine geeigneten Nachfolgerinnen oder Nachfolger gegenüber.
Der IHK‑Nachfolgereport NRW bestätigt die bundesweiten Trends: 80 Prozent der
Unternehmen haben Schwierigkeiten, eine externe Nachfolge zu finden. Jedes zehnte Unternehmen geht bereits davon aus, keine tragfähige Lösung zu erreichen und bereitet eine Stilllegung vor. Besonders betroffen sind Betriebe, deren Inhaberinnen und Inhaber das 55. Lebensjahr überschritten haben – also fast die Hälfte aller eigentümergeführten Unternehmen in NRW. Damit wird die Nachfolgefrage zu einem zentralen Zukunftsthema für die gesamte Wirtschaftsregion.
Digitale Unterstützung: Die Unternehmenswerkstatt Deutschland
Mit der digitalen Unternehmenswerkstatt Deutschland steht Abgebenden und Übernehmenden ein moderner Werkzeugkasten zur Verfügung, von Bewertungs-Tools über Musterverträge bis hin zu Checklisten und strukturierten Projektbereichen rund um die Nachfolgeplanung. Diese Online-Plattform verbindet digitale Hilfsmittel mit der persönlichen Begleitung durch IHK-Expertinnen und -Experten und unterstützt Sie über alle Phasen hinweg.
Nachfolge aktiv suchen: nexxt-Change und IHK-Nachfolgepool NRW
Die Suche nach einer passenden Nachfolge ist oft ebenso anspruchsvoll wie die Vorbereitung selbst. Hier bieten zwei ergänzende digitale Angebote wertvolle Unterstützung:
Die kostenfreie Unternehmensbörse nexxt-Change bündelt bundesweit Nachfolgegesuche und –Angebote in einer anonymisierten Plattform und bietet Übergebenden sowie Nachfolgeinteressierten eine einfache Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. Dieser Service wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, den Handwerkskammern, der KfW-Mittelstandsbank sowie den Industrie- und Handelskammern bereitgestellt. Als Regionalpartner der Börse unterstützt die IHK zu
Essen gerne bei der Inseratserstellung.
Der IHK-Nachfolgepool NRW bringt Interessenten und Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen diskret zusammen. Nach einer persönlichen Beratung durch die IHK wird Ihr Profil in ein vertrauliches Online-Portal aufgenommen, in dem ein professionelles Matching stattfindet. Der Service ist kostenfrei und bietet dank sorgfältiger Prüfung durch IHK‑Expertinnen und Experten eine hohe Qualität und Seriosität im Matchingprozess. Damit entstehen maßgeschneiderte Lösungen für den Übergang in eine neue Unternehmergeneration.