© IHK/Christian HövelmannGleitlagertechnik Essen GmbH
Bei der Gleitlagertechnik Essen GmbH wird der Wechsel an der Unternehmensspitze frühzeitig vorbereitet. Seit 2004 steht Dr. Stefan Verstege an der Spitze des Unternehmens. Aus eigener Erfahrung weiß er: Unternehmensnachfolge im Mittelstand gelingt nicht von heute auf morgen. Sie braucht Zeit, Vorbereitung und Vertrauen.
Als der Unternehmer selbst damals in die Geschäftsführung einstieg, wurde er rund anderthalb Jahre von seinem Vorgänger eingearbeitet. An diese Zeit erinnert ihn auch ein Artikel aus unserem meo-Magazin: „2004 war die Gleitlagertechnik Essen GmbH schon einmal im IHK meo-Magazin. Zum damaligen Zeitpunkt wurde ich gerade von meinem Vorgänger eingearbeitet und er hat damals gesagt, dass ich in 20 Jahren selbst an dieser Stelle stehen und nach einem Nachfolger suchen würde. Und genau so ist es gekommen“, erzählt der Unternehmer.
„Ich wusste, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem ich mich aus der operativen Verantwortung zurückziehen möchte“, erklärt er. Wer weiß, wann er loslassen möchte, müsse auch rechtzeitig beginnen, die Weichen zu stellen.
Vor rund zweieinhalb Jahren machte er sich deshalb auf die Suche nach einer passenden Nachfolge.
Ein neuer Kopf in der Geschäftsführung
Seinen Nachfolger Niklas Wallmann lernte Dr. Verstege über sein persönliches Netzwerk kennen. Der Maschinenbauingenieur studierte in Hannover und arbeitete mehrere Jahre an der Universität, unter anderem an einem Forschungsprojekt zur Wasserstoff- und Sauerstoffverbrennung. An der Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen schätzt Wallmann vor allem die Nähe zu den verschiedenen Bereichen des Betriebs. „Im Mittelstand bekommt man schnell einen Blick für das gesamte Unternehmen und kann an vielen Stellen mitwirken. Das finde ich besonders spannend“, sagt er.
© IHK/Christian HövelmannZusammenarbeit vom ersten Tag an
Der Übergang an der Unternehmensspitze wird bewusst gemeinsam gestaltet. Seit seinem Einstieg Ende 2024 ist Wallmann Mitgeschäftsführer und arbeitet eng mit Dr. Stefan Verstege zusammen. „Das Wichtigste am Übergangsprozess ist die Zusammenarbeit und die haben wir vom ersten Tag an gelebt“, sagt Dr. Verstege. Gespräche und Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, gleichzeitig übernimmt Niklas Wallmann auch eigene Aufgaben.
Für Wallmann ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Teil des Nachfolgeprozesses: „Der Vorteil ist, dass man nicht ins kalte Wasser geworfen wird. Man lernt das Unternehmen in seiner ganzen Breite kennen, kann jederzeit Rückfragen stellen und gleichzeitig eigene Ideen einbringen.“
Auch innerhalb des Unternehmens sollte früh klar sein, wie der Übergang gestaltet wird. „Gerade im Mittelstand spielt Vertrauen eine große Rolle“, sagt Dr. Verstege. „Deshalb war es uns wichtig, den Übergang offen zu gestalten und früh zu zeigen, wie es weitergeht.“
»Das Wichtigste am Übergangsprozess ist die Zusammenarbeit und die haben wir vom ersten Tag an gelebt.«
Fachkräfte als Teil der Unternehmensnachfolge
Ein weiterer wichtiger Punkt im Nachfolgeprozess ist die Sicherung von Fachkräften. Besonders in der Produktion ist die Altersstruktur im Unternehmen hoch und der Nachwuchs in technischen Berufen knapp. „Nachfolge betrifft nicht nur die Geschäftsführung, sondern das gesamte Unternehmen“, sagt Wallmann.
Deshalb bildet der Betrieb wieder selbst junge Menschen zum Zerspannungsmechaniker aus. Dafür wurde eine eigene Azubi-Ecke eingerichtet. „In der Berufsschulklasse unseres Auszubildenden sitzen nur wenige Zerspanungsmechaniker aus dem gesamten Ruhrgebiet. Das zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig in Ausbildung zu investieren.“
Ein klarer Zeitplan
Der Nachfolgeprozess ist auf zwei Jahre angelegt. In etwa einem Jahr möchte sich Dr. Stefan Verstege aus der operativen Verantwortung zurückziehen. Bis dahin führen Niklas Wallmann und er gemeinsam das Unternehmen. Für beide steht fest: Gelungene Unternehmensnachfolge im Mittelstand geschieht nicht an einem bestimmten Stichtag. Sie ist ein Prozess, der Vertrauen schafft, Wissen weitergibt und Zeit braucht.




