Veränderung startet dort, wo man genauer hinschaut
Der Geruch ist das Erste, was auffällt. Warm, schwer, irgendwie chemisch. Förderbänder laufen unter der Hallendecke entlang. Metall schlägt auf Metall. Dazwischen stehen Menschen aus Oberhausener Unternehmen in Warnwesten und diskutieren plötzlich über Mülltrennung.
Gelbe Tonne, graue Tonne – am Ende wird doch sowieso alles wieder zusammengeschüttet. Diesen Satz kennen viele. „Stimmt aber nicht“, sagt Martina Dunker, die bei der Stadtsparkasse Oberhausen den Bereich Nachhaltigkeit verantwortet und blickt hinunter in die Anlage. Gerade deshalb wollte die Gruppe sehen, was hier tatsächlich passiert.
Dass Unternehmen gemeinsam eine Müllverbrennungsanlage besuchen, klingt erst einmal ungewöhnlich. Zu den Teilnehmenden von ÖKOPROFIT passt es ziemlich gut. Denn oft beginnt Veränderung genau dort, wo man plötzlich genauer hinschaut.
Zwischen Maschinen und Kaffeeküchen
Natürlich geht es bei ÖKOPROFIT auch um Zahlen. Stromverbräuche. Heizkosten. Abfallmengen.
Viele Unternehmen beschäftigen sich zum ersten Mal so intensiv mit ihren eigenen Daten. Doch lange bleibt es nicht theoretisch. Hinter Tabellen tauchen plötzlich sehr praktische Fragen auf. Warum läuft die Lüftung nachts durch? Warum brennt im Flur eigentlich ständig Licht? Und warum macht man manche Dinge seit Jahren einfach so?
Über rund ein Jahr hinweg treffen sich die teilnehmenden Unternehmen regelmäßig zu Workshops, Betriebsbesuchen und Vor-Ort-Terminen. Wenn möglich direkt bei den Unternehmen selbst. Mal geht es in Produktionshallen, mal in Bürogebäude oder technische Anlagen. Die Gespräche entstehen oft zwischen Maschinen, in Lagerhallen oder bei einem Kaffee im Aufenthaltsraum.
„Die gemeinsame Zeit war von Wissensvermittlung und spannenden Austauschrunden geprägt“, sagt Marc Ehrig von der Stadtsparkasse Oberhausen. „Jedes teilnehmende Unternehmen hatte die Möglichkeit, praxisnahe Impulse und Handlungsempfehlungen für den eigenen Betrieb zu erhalten und gleichzeitig eigene Erfahrungen einzubringen.“
Gerade dieser Blick hinter die Kulissen macht für viele den besonderen Reiz des Programms aus. Denn obwohl die Branchen kaum unterschiedlicher sein könnten, ähneln sich viele Fragen überraschend stark.
Viele kleine Veränderungen
In Oberhausen fand die aktuelle ÖKOPROFIT-Runde erstmals seit fast 20 Jahren wieder statt. Neun Unternehmen waren dabei – vom Stahlbauer bis zur Stadtsparkasse Oberhausen.
Als einer der größten Arbeitgeber der Stadt nimmt die Stadtsparkasse dabei eine besondere Rolle ein. Rund 500 Mitarbeitende arbeiten an verschiedenen Standorten in Oberhausen. Viele kleine Veränderungen wirken sich dadurch direkt auf den Alltag vieler Menschen aus.
LED-Beleuchtung. Neue Heiztechnik. Photovoltaik. Deutschlandticket. Jobrad. Vieles davon wirkt erst einmal unspektakulär. Erst in der Summe verändert sich etwas.
© Stadtsparkasse Oberhausen
© IHK zu Essen/Christian HövelmannAuch die Räume verändern sich
Der neue Aufenthaltsraum der Stadtsparkasse ist heller geworden. Ruhiger. Offener. Ein Ort, an dem Menschen kurz durchatmen, miteinander sprechen oder einfach einen Kaffee trinken. Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht nur weniger Energieverbrauch, sondern auch die Frage, wie Arbeitsalltag eigentlich aussehen soll.
Das vielleicht Wichtigste lässt sich ohnehin kaum messen. Denn die größten Veränderungen entstehen oft dort, wo Mitarbeitende anfangen, Abläufe zu hinterfragen. Wo Ideen aus Teams kommen. Und wo aus abstrakten Nachhaltigkeitszielen plötzlich sehr konkrete Alltagsthemen werden.
Drei Fragen an Stefan Große-Allermann. Senior Consultant der B.A.U.M. Consult GmbH, die das Programm in Oberhausen betreut.
Warum heißt das Programm eigentlich ÖKOPROFIT?
„Weil ökologische Maßnahmen und wirtschaftlicher Nutzen oft zusammenhängen. Viele Unternehmen stellen fest, dass geringerer Energie- oder Ressourcenverbrauch am Ende auch Kosten spart.“
Welche Rolle spielt der Austausch zwischen den Unternehmen?
„Eine sehr große. Viele Ideen entstehen erst durch die Gespräche und Besuche vor Ort. Oft merkt man dabei, dass andere Unternehmen ganz ähnliche Herausforderungen haben.“
Warum lohnt sich die Teilnahme?
„Das Programm verbindet Workshops, Netzwerk und individuelle Beratung sehr praxisnah miteinander. Viele Unternehmen nehmen konkrete Maßnahmen mit, die sich direkt im eigenen Betrieb umsetzen lassen.“
ÖKO plus PROFIT
Dass das Programm nicht zufällig ÖKOPROFIT heißt, merkt man oft erst mit etwas Abstand. Geringere Energie- oder Ressourcenverbrauch bedeutet am Ende auch sinkende Kosten.
Allein die Stadtsparkasse Oberhausen rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund 96.000 Euro. Gleichzeitig sollen mehr als 416.000 Kilowattstunden Energie und knapp 35 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Für viele Unternehmen beginnt das Thema deshalb längst nicht mehr nur beim Umweltgedanken. Sondern bei der Frage, wie sich Gebäude, Prozesse und Arbeitsalltag sinnvoll weiterentwickeln lassen.
Nach der aktuellen Runde laufen deshalb bereits die Vorbereitungen für die nächste Projektrunde in Oberhausen. Mindestens acht Unternehmen müssen zusammenkommen, damit das Programm erneut starten kann.




