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Konjunktur noch stabil, aber Zukunftsangst wächst

Im Herbst 2022 werden überall in der Region die wirtschaftlichen Folgen des Russland-Ukraine-Krieges deutlich spürbar.

Unternehmen bewerten zukünftige Geschäftslage negativ

Insgesamt bewerten 34 Prozent aller befragten Unternehmen in der MEO-Region ihre aktuelle Geschäftslage mit gut. Von schlechten Geschäften berichten aktuell 17 Prozent. Stark eingebrochen sind vor allem die Erwartungen. Die zukünftige Geschäftslage sehen vier von zehn Betriebe pessimistisch. Im Ruhrgebietsdurchschnitt sind es sogar 52 Prozent.

Jutta Kruft-Lohrengel betont: „Die MEO-Wirtschaft zeigt sich bis jetzt erstaunlich robust in der Krise. Mit Blick auf den Winter und das kommende Jahr sind die Sorgen aber gewaltig. Nur ein geringer Anteil der Unternehmen rechnet noch mit einer positiven Entwicklung der Geschäfte.“ Als Hauptproblem benennt die Präsidentin die unberechenbaren Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, allen voran die enorm steigenden Energiekosten, aber auch die allgemeine Inflation und gestörte Lieferketten.

Konjunkturklimaindikator fällt um 20 Punkte

Das schlechte Stimmungsbild zeigt sich auch im Konjunkturklimaindikator, dem Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung. Er fiel um 20 auf 92 Punkte – der niedrigste Stand seit Herbst 2009.

Insbesondere der Handel ist vor dem Hintergrund einer Inflationsrate von zehn Prozent und eines sehr verhaltenen Konsumklimas pessimistisch gestimmt. 50 Prozent der Handelsbetriebe erwarten in den kommenden Monaten eine schlechtere Geschäftslage (Jahresbeginn 2022: 21 Prozent). In der Industrie überwiegt bei 34 Prozent die Skepsis. Zum Jahresbeginn sahen nur 11 Prozent negativ in die Zukunft. Bei den Dienstleistungsunternehmen gehen gut 36 Prozent von schlechteren Geschäften aus (Jahresbeginn 2022: 18 Prozent). „Die Preissteigerungen erfassen längst nicht mehr nur die energieintensive Industrie, sondern auch den Handel und die Dienstleistungsbranche“, so Kruft-Lohrengel.


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93 Prozent der Industriebetriebe sorgen sich vor Energiepreisanstieg

Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung werden erwartungsgemäß in allen Branchen die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise genannt. Im Vergleich zur Umfrage vom Jahresbeginn klettert der Wert von 53 Prozent auf 81 Prozent. In der Industrie sorgen sich sogar 93 Prozent der Betriebe vor einem Energiepreisanstieg. 

Angesichts dieser Werte verweist Jutta Kruft-Lohrengel auf negative Auswirkungen in der Industrie, in der mittlerweile einzelne Produktionsanlagen stillgelegt würden, um Energie einzusparen.

Auch Teilschließungen im Bereich Handel und Dienstleistungen wegen immenser Preissteigerungen seien mittlerweile bittere Realität. „Allen muss klar sein, dass die Herausforderungen der Unternehmen über kurz oder lang zu unser aller Problemen werden“, warnt Kruft-Lohrengel und ergänzt: „Wir alle müssen unseren Beitrag leisten. Die Wirtschaft spart bereits Energie, wo sie nur kann. Von der Politik erwarten wir, dass sie kurzfristig für eine stabile und wettbewerbsfähige Versorgung mit Strom, Gas und anderen Energieträgern nichts unversucht lässt. Mittelfristig führt an einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien kein Weg vorbei.“

Yvonne Schumann

Verfasst von:
Yvonne Schumann

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