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IHK AKTUELL

IHK-Jahrespressegespräch:

Mehr Gewerbeflächen für mehr Wertschöpfung – Wirtschaftlichkeit beim Klimaschutz im Auge behalten Die Vollversammlung der IHK forderte im November 1999: Wir wollen die wirtschaftsfreundlichste und wachstumsstärkste Region sein. „Zu Beginn hat die MEO-Region bei der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im NRW-Vergleich gut abgeschnitten – bis 2010 konnten wir uns hier die Bronzemedaille sichern“, fasst IHK-Präsidentin Jutta […]

Mehr Gewerbeflächen für mehr Wertschöpfung – Wirtschaftlichkeit beim Klimaschutz im Auge behalten

Die Vollversammlung der IHK forderte im November 1999: Wir wollen die wirtschaftsfreundlichste und wachstumsstärkste Region sein. „Zu Beginn hat die MEO-Region bei der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im NRW-Vergleich gut abgeschnitten – bis 2010 konnten wir uns hier die Bronzemedaille sichern“, fasst IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel anlässlich des Jahrespressegesprächs zusammen. „Ein Blick auf die Entwicklung seit 2010 ernüchtert: Die MEO-Region landet abgeschlagen auf dem letzten Platz.“

Auch bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten gibt es eine ähnliche Entwicklung: Von 2000–2010 lag sie etwa im Landesdurchschnitt NRW, entfernte sich danach jedoch zunehmend davon. Zwar wurde von 2010–2020 ein Arbeitsplatzzuwachs von 14 Prozent erreicht, NRW lag jedoch bei plus 18,6 Prozent, die wachstumsstärkste NRW-Region sogar bei einem Plus von fast 23 Prozent.“

Generalschlüssel für die Schaffung von Arbeitsplätzen

„Die Gründe für die Ergebnisse sind sicherlich vielfältig, ein wesentlicher Faktor ist aber die äußerst schlechte Verfügbarkeit von Industrie- und Gewerbeflächen in unserer Region“, so Kruft-Lohrengel. Diese seien aber der Generalschlüssel für die Schaffung von Arbeitsplätzen und damit der Wertschöpfung. In der MEO-Region stehen lediglich 23 Prozent der benötigten Flächen zur Verfügung – teils mit erheblichen Restriktionen, wie z. B. Altlasten oder einer schlechten Verkehrsanbindung. „Diese Situation beklagen wir schon seit vielen Jahren, aber es gibt einen Hoffnungsschimmer. So wird z. B. in Mülheim an der Ruhr die Entwicklung einer großen zusammenhängenden Fläche rund um das Gelände der Friedrich-Wilhelmshütte vorangetrieben, in Essen hat u. a. das zusammen mit der Nachbarstadt Bottrop betriebene Projekt ‚Freiheit Emscher‘ aus unserer Sicht großes Potential.“

Dr. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK, ergänzt: „Moderne Produktion und innovatives Gewerbe können für unseren Standort nur gewinnbringend sein, wenn die Nähe zur Autobahn gewährleistet ist.“ Der geplante Anschluss an die A42 sei ein wichtiger Faktor, um die Flächen für die Wirtschaftsverkehre zu erschließen, ohne die Stadtteile zu belasten. Auch der seit vielen Jahren von der IHK geforderte Lückenschluss der A52 auf Essener Gebiet müsse bei dieser Entwicklung nicht nur mitgedacht, sondern vorangetrieben werden. „Die A52 wird von Norden her bis zum Essener Stadtgebiet ausgebaut. Freiheit Emscher wird entwickelt. Man kann es dem Essener Norden nicht zumuten, erst dann zu agieren, wenn auf der B224 alles steht.“

Deckel auf der A40

Sehr spannend ist aus Sicht der IHK, die Idee von einem Deckel auf der A40. „Unabhängig davon, ob Olympia in der Rhein-Ruhr-Region in absehbarer Zeit stattfindet oder nicht, lohnt es sich, das Vorhaben weiter zu verfolgen“, erklärt der IHK-Chef. Mit der Machbarkeitsstudie sei ein erster Schritt getan. „Der Ausbau der A40 ist wichtig und notwendig, um zu vermeiden, dass durch die Engstelle in Essen das Nadelöhr der A40 entsteht.“

Die IHK begrüßt, dass die Städte sich auf ein ergebnisoffenes Verfahren zur Prüfung von zwei Varianten am Flughafen Essen-Mülheim geeinigt haben. „Hier bleibt zunächst weiter abzuwarten, wie das Ergebnis aussieht. Grundsätzlich wäre eine gewerbliche Entwicklung, die in beiden Varianten verfolgt werden soll, auf dem Areal ein gutes Signal. Gerade in Mülheim mit seinem knappen Gewerbeflächenangebot. Aber auch die Beibehaltung des Flugbetriebs – vielleicht mit innovativen Antrieben – könnte dem Gebiet neuen Schwung verleihen“, so Dr. Püchel.

Zukunftsthema: Klimaschutz

Ein wichtiges Zukunftsthema ist aus IHK-Sicht der Klimaschutz. Der Hauptgeschäftsführer stellt fest: „Die geplante Klimaneutralität bis 2045, der Green Deal, Forcierung des Einsatzes von Wasserstoff – der Schutz des Klimas hat einen enormen politischen Schub erhalten. Ganz klar ist: Auch die Wirtschaft bekennt sich zu den Klimaschutzzielen.“ Kritisch sieht Dr. Püchel die jüngst beschlossene Verschärfung der bundesweiten Klimaziele: „Das ist äußerst ambitioniert. Das Zieldreieck aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen darf nicht aus den Augen verloren werden.“ Auch auf lokaler Ebene werden die Aktivitäten forciert.

So sieht z. B. das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ eine Treibhausgasminderung um 38 Prozent für den Stromverbrauch der Essener Wirtschaft von heute bis zum Jahr 2030 vor. „Es bleibt allerdings unklar, wie dies ermöglicht werden soll. Nach unserer Überzeugung ist dies jedenfalls nicht durch Einsparung oder CO2-freie Stromproduktion im Stadtgebiet von Essen erreichbar.“ Mülheim an der Ruhr geht noch einen Schritt weiter und möchte bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein, d. h., die Treibhausgasemissionen gegenüber heute um rund 85 Prozent senken. „Isoliert auf Aktivitäten im Stadtgebiet selbst halten wir das für illusorisch“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Planungssicherheit für Unternehmen

Die IHK sieht die Gefahr, dass ganze Industrien in Länder mit weniger Umweltauflagen abwandern, wenn die Wirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität nicht mitgenommen wird. Dem Weltklima wäre dadurch keinerlei Nutzen entstanden, die Region hätte aber Arbeitsplätze und Wertschöpfung verloren. „Also sollten wir die am Standort produzierende Industrie aus lokalen oder regionalen Zielen herausnehmen. Produktion muss sich auch in Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen willkommen fühlen.“ Darüber hinaus brauchen die Unternehmen schnell Planungssicherheit, insbesondere wenn z. B. Investitionen in Maschinen und Anlagen notwendig werden. Dr. Püchel erklärt: „Mittlerweile wird in der MEO-Region etwa jeder zweite Euro des produzierenden Gewerbes im Ausland verdient. Die Unternehmen stehen weltweit im Wettbewerb – und müssen sich den Preisen des Weltmarkts stellen.“ Unternehmen dürfen nicht überfordert und über Gebühr belastet werden. „Nur im Schulterschluss werden aus den beschlossenen Zielen auch erreichbare Ziele. Auf dem Papier existierende Zielvorgaben helfen dem Klima nicht. Sie müssen mit umsetzbaren Maßnahmen verknüpft sein.“

Yvonne Schumann

Verfasst von:
Yvonne Schumann

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