Unternehmen

Eine Zukunft in der IT

Firmengründer Dieter Ebert, heute Vorsitzender des Aufsichtsrats, stellte vor 25 Jahren fest, dass er mit selbst ausgebildeten Mitarbeitern besser fahre. Seither ist die aktive Suche nach jungen Talenten und deren gründliche Ausbildung zentrales Element der Unternehmensstrategie.

Ausbildung statt Studium

MIBS-Vorstand Florian Ebert erklärt das Erfolgsrezept: „Unsere Auszubildenden übernehmen vom ersten Tag an Verantwortung. Wir bieten gegenseitiges Vertrauen, familiäres Miteinander, flache Hierarchien.“ Resultat: „90 % der Auszubildenden übernehmen wir.“ Für die Bewerbung der einzelnen Stellen kooperiert MIBS mit mehreren Essener, Mülheimer und Oberhausener Schulen, sagt er, „außerdem präsentieren wir uns und den Beruf des Informatikers auf Info-Veranstaltungen – zum Beispiel beim Azubi-Speed-Dating der IHK.“

Während solch eines Speeddatings hat es vor zwei Jahren bei Amie Sandomir gefunkt. In der Schule war sie gut in Mathe und Physik gewesen, also studierte sie nach dem Abi Physik. Und merkte: Das passt doch nicht. Wechselte das Studienfach. Schließlich wurde ihr klar, dass es nicht am Fach lag. Die Art des Lernens an der Uni war einfach nicht ihr Ding: „Mir fehlte das praktische Arbeiten.“

Azubis durch Speeddating finden

Beim Azubi-Speeddating der IHK blieb sie dann gleich am ersten Tisch hängen. Da informierten MIBS-Mitarbeiter über das Berufsbild der SAP-Beraterin – „das hatte ich bis dahin überhaupt nicht auf dem Schirm.“ SAP ist eine Standardsoftware, mit der Unternehmen viele betriebswirtschaftliche Prozesse abwickeln. SAP-Berater, erklärt Florian Ebert, unterstützen sie dabei, indem sie deren Bedarf genau analysieren und dann die Standardsoftware individuell anpassen und erweitern.

Amie Sandomir war begeistert: „Diese Mischung aus Technik, Programmieren und Kundenkontakt – das war’s!“ Drei Wochen später bestand sie den Einstellungstest; seit Sommer 2020 ist sie Auszubildende. Schnell war sie mit ihren Kollegen, einschließlich der Chefs, per Du. „Das ist bei MIBS so üblich“, sagt Florian Ebert. Übrigens nicht erst, seit er und sein Bruder Marcel das Unternehmen leiten: „Das gab es auch schon bei unserem Vater. Einziger Unterschied: Er hat das Du meist nach ein, zwei Lehrjahren angeboten. Jetzt passiert das nach drei oder vier Wochen.“ Wobei es auch Neulinge gebe, die beim Sie bleiben möchten, „das akzeptieren wir auch.“

Mehr Spaß als im Studium

Das Angebot, gleich mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen, stellte Amie Sandomir – „ich bin ehrlich und direkt“ – sehr bald auf die Probe. Schon in der Nachbesprechung ihres Bewerbungsverfahrens bescheinigte sie ihren Chefs, dass MIBS in den Sozialen Medien schlecht aufgestellt sei. Man gab ihr recht – und dazu die Aufgabe, für Verbesserung zu sorgen. „Es ist wichtig“, sagt Florian Ebert, „auch gegenüber Vorgesetzten Kritik üben zu können – das hilft uns, besser zu werden.“ So hätten zum Beispiel junge Kolleginnen und Kollegen bei MIBS die Initiative „grüner werden“ gestartet. „Wir haben seitdem die Firmenflotte auf E-Autos umgestellt, eine grüne Dachterrasse angelegt und auch in Details mehr auf Ökologie geachtet.“

Für Amie Sandomir ist das ein ganz großer Pluspunkt: „Ich kann mitgestalten und muss nicht mit Ideen hinterm Berg halten.“ Im Rahmen ihrer Ausbildung wird sie bald reale Aufgaben im Kontakt mit Kunden übernehmen, natürlich eng betreut von ihrem Ausbildungsleiter. Schon jetzt aber „habe ich hier viel mehr Spaß als je in meinem Studium.“ Ihrer IHK-Prüfung zur „Fachinformatikerin im Bereich Anwendungsentwicklung“ kann sie gelassen entgegensehen.

Amie Sandomir, Auszubildende der MIBS AG

»Wir wollen jungen Menschen eine Perspektive geben.«

Perspektive bieten

Die MIBS AG, sagt Florian Ebert, sieht in ihrem Ausbildungsangebot durchaus eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wir wollen jungen Menschen eine Perspektive bieten.“ Zwar seien Uni-Absolventen willkommen, und MIBS biete auch die Möglichkeit für ein Duales Studium. Doch grundsätzlich „braucht man kein Studium, um in unserem Berufsfeld erfolgreich zu sein.“ Deshalb wende das Unternehmen sich auch an Abiturienten ohne akademische Ambitionen, Studienabbrecher und Umschüler.

Durch den konsequenten Fokus auf die eigene Ausbildung konnte MIBS über Jahre organisch wachsen, zu seiner jetzigen Größe mit 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Fachkräftemangel, sagt Ebert, sei gerade im IT-Bereich groß. Er weiß, dass junge MIBS-Leute gern von Headhuntern ins Visier genommen werden und dass es „größere Player im Markt gibt, die vielleicht den einen oder anderen Euro mehr zahlen.“ Umso wichtiger sei es, der Belegschaft andere Vorteile zu bieten wie familiäre Atmosphäre, gegenseitiges Vertrauen, eigenverantwortliches Arbeiten. Denn: „Gerade durch die Ausbildung im eigenen Haus wissen wir ja wirklich, was wir an unseren Leuten haben.“

Die Strategie geht auf: Tatsächlich bleiben nicht nur fast alle Azubis im Haus; auch viele festangestellte Mitarbeiter sind schon seit Jahren dabei. Nicht zufrieden ist Florian Ebert damit, dass die klassische „Männerlastigkeit“ des Berufsfeldes sich auch bei MIBS noch abbildet, weil sich nicht genügend junge Frauen dafür interessieren. „Dagegen wollen wir bewusst angehen.“ Im aktuellen Lehrjahr stimmt die Balance schon: drei Frauen, drei Männer.

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Yvonne Fischer

Verfasst von:
Yvonne Fischer

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