INFINTEQ GmbH
Ob beim Schutz kritischer Infrastruktur, bei der Aufklärung auf See oder im militärischen Umfeld: Autonome Systeme und Drohnentechnologien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit der 2024 gegründeten INFINTEQ GmbH entwickelt ein junges Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr Lösungen für genau diese Einsatzbereiche.

Geschäftsführer André Komp ist seit mehr als 20 Jahren im Militärbereich tätig und kennt Einsätze sowie Strukturen der Bundeswehr aus eigener Erfahrung. Die Idee zur Unternehmensgründung entstand auf einer Marinetagung in Linstow. Gleichzeitig hätten die aktuellen geopolitischen Entwicklungen gezeigt, wie stark der Bedarf an modernen autonomen Systemen gestiegen sei.
Bereits im Gründungsjahr erhielt das Unternehmen einen größeren Auftrag. Daraus entstand ein senkrecht startender Nurflügler, der anschließend in den Horizontalflug übergehen kann. Vom ersten Strich auf dem Papier bis zum Horizontalflug vor dem stellvertretenden ukrainischen Verteidigungsminister vergingen lediglich vier Monate. Für Komp zeigt das vor allem eines: „Made in Germany beziehungsweise Made in NRW kann auch schnell funktionieren.“
Schutz kritischer Infrastruktur
Zum Einsatz kommen die Systeme unter anderem bei Übungen zum Schutz kritischer Infrastruktur. Bei einer Übung auf der Ostsee standen zuletzt Hafenschutz, Kabelüberwachung und die Kontrolle von Pipelines im Mittelpunkt. Ziel sei es, Gefahren frühzeitig zu erkennen und Situationen zunächst autonom aufzuklären, bevor Menschen eingesetzt werden müssen.
Dabei verfolgt INFINTEQ nach eigenen Angaben nicht nur den Ansatz einzelner Flugdrohnen. Das Unternehmen versteht sich vielmehr als „Systemhaus für Drohnen“. Verschiedene autonome Systeme in der Luft, auf dem Wasser und unter Wasser, sollen miteinander verbunden werden und gemeinsam Informationen liefern. Der Fokus liegt dabei auf der Vernetzung unterschiedlicher autonomer Plattformen zu einem gemeinsamen Lagebild. Themen wie Schwarmtechnologie und Künstliche Intelligenz spielen dabei eine wichtige Rolle.
Zusammen mit einem Partnerunternehmen arbeitet INFINTEQ beispielsweise daran, Flugdrohnen mit Unterwasser- und Überwassersystemen zu verknüpfen. So könnten unterschiedliche Perspektiven zur Aufklärung genutzt werden.

Schnelligkeit als Herausforderung
Wie dynamisch der Markt inzwischen ist, zeigt sich laut Komp vor allem an den Entwicklungszeiten. Systeme müssten heute deutlich schneller einsatzbereit sein als noch vor einigen Jahren. „Der Kunde will nicht übermorgen ein System auf dem Hof stehen haben, sondern morgen“, sagt er. Innovation müsse deshalb vor allem schnell umsetzbar und funktional sein. Diese Erwartung habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Entwicklungszyklen, die früher mehrere Jahre in Anspruch genommen hätten, müssten heute oft innerhalb weniger Monate realisiert werden.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Cybersicherheit und Lieferketten. Gerade im Verteidigungsumfeld werde zunehmend darauf geachtet, dass Komponenten aus Deutschland oder Europa stammen. Das Unternehmen beschäftigt sich deshalb intensiv mit dem Thema europäische Lieferketten.
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen
Trotz des sicherheits- und verteidigungsbezogenen Schwerpunkts sieht Komp auch Einsatzmöglichkeiten im zivilen Bereich, etwa für Behörden, Feuerwehr oder Polizei. Mülheim an der Ruhr bewertet er dabei als guten Standort, unter anderem mit Blick auf Fachkräfte und Entwicklungsmöglichkeiten.
Eine Herausforderung bleibe allerdings die Frage nach geeigneten Testflächen und Genehmigungen. Für größere Tests nutzt das Unternehmen deshalb zusätzlich einen Standort bei Peenemünde an der Ostsee. Dort steht ein Sperrgebiet zur Verfügung, in dem auch größere Drohnensysteme getestet werden können.
Für die kommenden Jahre rechnet INFINTEQ mit weiter wachsender Nachfrage nach autonomen Sicherheits- und Aufklärungssystemen, sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa.


