Gruppenfoto auf der Bühne

Beitragsbild: Christian Köster

Region

Ausgezeichnet nachhaltig

Große Bühne, viel Applaus – und mittendrin zwei Akteure aus der Region: Brenntag und die Stiftung Zollverein zeigen, wie vielfältig Nachhaltigkeit heute gedacht wird. Ihre Auszeichnungen machen deutlich, dass echter Wandel dort entsteht, wo Verantwortung gelebt wird.

Viele Gäste sitzen in einem großen Saal und schauen nach vorne. Auf einer Bühne steht ein Mann und trägt etwas vor.© Schuchrat Kurbanov

Brenntag und Zollverein zeigen: Nachhaltigkeit hat viele Gesichter – auch in der Region.
Große Bühne, rund 1.000 Gäste, Applaus. Wer beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) aufgerufen wurde, gehörte bereits zu den Besten seiner Branche. Doch bei der Preisverleihung in Düsseldorf ging es um mehr als die rund 100 Branchenpreise. Zusätzlich zeichnete die Jury Unternehmen und Institutionen in fünf sogenannten Transformationsfeldern aus – dort, wo der Wandel besonders sichtbar und wirksam wird

Zwei dieser Sonderauszeichnungen gingen in die Region

Brenntag wurde im Transformationsfeld Klima geehrt, die Stiftung Zollverein im Transformationsfeld Natur. Beide gehörten damit zu den Akteuren, die als Vorbilder der Transformation besonders hervorgehoben wurden.


Für die Verantwortlichen war das ein besonderer Moment. „Ich war völlig überwältigt.“ So beschreibt Andreas Kicherer, der bei Brenntag die globale Nachhaltigkeit verantwortet, die Preisverleihung rückblickend. Dass sein Unternehmen ausgezeichnet wurde, war im Vorfeld absehbar. Doch auf dieser Bühne noch einmal besonders gewürdigt zu werden – damit hatte niemand gerechnet. Laudator des Abends war Wettermoderator Carsten Schwanke.


Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen Europas. Seit 2008 werden Unternehmen und Institutionen geehrt, die Nachhaltigkeit strategisch verankern – und mit ihren Projekten konkrete Veränderungen anstoßen.

»Ich war völlig überwältigt.«

Brenntag: Nachhaltigkeit nicht nur im Labor

Chemie. Für viele kein Wort, das sofort mit Klimaschutz verbunden wird. „Es steckt mehr dahinter, als man vermutet“, sagt Kicherer. Brenntag kauft Chemikalien in großen Mengen ein, füllt sie in kleinere Gebinde ab und beliefert weltweit Kunden. In über 70 Innovations- und Anwendungszentren entwickeln Fachleute Anwendungen – für Lebensmittel, Kosmetik, Reinigungsmittel oder industrielle Prozesse. Selbst im veganen Burger kann ein Inhaltsstoff stecken, der über Brenntag bezogen wird.
„Es gibt nahezu keinen Lebensbereich, in dem nicht ein Brenntag-Produkt vorkommen könnte“, sagt Kicherer. Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht Verzicht, sondern bessere Lösungen.


Rund die Hälfte des Portfolios ist inzwischen in einer nachhaltigeren Variante verfügbar. „Unsere Aufgabe ist es, dem Kunden die Wahl zu geben.“ Wie im Supermarkt, in dem Bio-Produkte immer mehr Raum einnehmen, geht es darum, Alternativen sichtbar zu machen.


Auch die Logistik steht im Fokus: Die weltweite Lkw-Flotte wird Schritt für Schritt umgestellt, erste E-Trucks sind im Einsatz. Am Standort Traun in Österreich werden neue Energiekonzepte erprobt – was funktioniert, wird übertragen.
Und noch etwas wird deutlich: Ohne Chemie gäbe es keine Solarzellen, keine Windräder, keine Brennstoffzellen.


Der Applaus in Düsseldorf sei das eine gewesen, sagt Kicherer. „Aber wir machen das nicht für einen Preis. Wir machen es, weil wir überzeugt sind, dass es uns mittelfristig erfolgreicher macht. Über 150 Jahre Unternehmensgeschichte verpflichten.“

»Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als durchgängiges und verbindendes Prinzip.«

Zollverein: Ein Welterbe gestaltet Natur neu

Ein paar Kilometer weiter steht ein Ort, der wie kaum ein anderer für Wandel steht: Zollverein. Einst die leistungsstärkste Zeche der Welt, heute UNESCO-Welterbe, Kulturstandort und Innovationsraum.


Im Transformationsfeld Natur würdigte die Jury die Stiftung Zollverein als überzeugendes Beispiel für eine Renaturierung auf einem ehemaligen Industriestandort. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz verknüpfe die Stiftung ökologische Regeneration, Artenschutz, Bildung und SDG-Orientierung zu einem Modell mit überregionaler Ausstrahlung.


Auf der Bühne nahm Anna Ehlert, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stiftung Zollverein, die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Die strategische Weiterentwicklung des Standorts im Sinne einer integrierten Nachhaltigkeitsausrichtung wird in der Stiftung von Dr. Helena Lischka, Leiterin der Strategischen Standortentwicklung, verantwortet.


„Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als durchgängiges und verbindendes Prinzip“, erklärte Christoph Tesche, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein, in der Mitteilung zur Auszeichnung.


Wo früher Industrie dominierte, entstehen heute artenreiche Flächen, Lernorte und neue Formen der Beteiligung. Zollverein zeigt damit: Nachhaltigkeit heißt nicht nur, Neues zu bauen. Manchmal bedeutet sie, Bestehendes klug weiterzuentwickeln – ökologisch, sozial und kulturell zugleich.

Verantwortung hat viele Gesichter

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis machte Ende 2025 sichtbar, was in der Region längst Alltag ist: Nachhaltigkeit ist kein Etikett, das man sich anheftet. Sie ist Arbeit. Strategie. Haltung. Und manchmal steht man dafür eben doch auf einer großen Bühne.

Simone Stachelhaus

Verfasst von:
Simone Stachelhaus

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