© iStock.com/FreshSplash

IHK aktuell

Arbeitsmobilität im Wandel

Die Corona-Pandemie wird das Mobilitätsverhalten von Berufspendlern nachhaltig verändern. Dies erfordert Anpassungen im öffentlichen Nahverkehr, stärkt aber zugleich das Betriebliche Mobilitätsmanagement.

Corona verändert Arbeitsrhythmus

Um bis zu 8 Prozent könnte die Arbeitsmobilität nach Corona abnehmen, so das zentrale Ergebnis einer Unternehmensbefragung, die der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammern an Rhein und Ruhr durchgeführt hat. Rund ein Viertel aller Arbeitnehmer wird zukünftig voraussichtlich an einigen Tagen in der Woche von Zuhause arbeiten. Vor der Pandemie war es nur jeder zehnte Beschäftigte. Dies stellt insbesondere den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor große Herausforderungen.

ÖPNV als Rückgrat der Mobilität in der Metropole Ruhr

Es besteht die Gefahr, dass sich durch die häufigere Heimarbeit die klassischen ÖPNV-Abonnements für manche Kunden nicht mehr lohnen. „Dem ÖPNV-System fehlen somit Einnahmen, die er dringend braucht, um in den Ausbau des Angebotes investieren zu können“, erklärt VRR-Vorstand José Luis Castrillo.
„Der ÖPNV muss auch nach der Corona-Krise das unverzichtbare Rückgrat für die Mobilität in der Metropolregion Rhein-Ruhr bleiben“, unterstreicht Joachim Brendel für die Industrie- und Handelskammern. Daher ist es das gemeinsame Ziel von VRR und IHKn, die über die Corona Zeit verlorenen Fahrgäste zurückzugewinnen und auf die veränderten Mobilitätsbedürfnisse mit einem angepassten, flexibleren Tarifangebot zu reagieren.
„Ein starker ÖPNV ist für unsere Region unverzichtbar, um das bestehende Straßennetz zu entlasten, den oft nur schwer zu verlagernden regionalen Wirtschaftsverkehr zu sichern und um die gesteckten Klimaschutzziele im Verkehrssektor erreichen zu können“, umschreibt der für Verkehr und Infrastruktur zuständige Bereichsleiter der IHK Nord Westfalen das Interesse der regionalen Wirtschaft an einem leistungsstarken und attraktiven ÖPNV.

© iStock.com/Say-Cheese

Betriebliches Mobilitätsmanagement im Aufwind

Wie die Ergebnisse der Unternehmensbefragung zeigen, wirkt sich die Corona-Pandemie nicht nur auf den Nahverkehr, sondern auch auf die Betriebe aus. Die Häufigkeit von Dienstreisen wird abnehmen – etwa ein Drittel aller Außer-Haus-Termine könnte in Zukunft virtuell durchgeführt werden. Das Betriebliche Mobilitätsmanagement hat hingegen an Bedeutung gewonnen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (52 Prozent) gibt an, dass ihnen die nachhaltige Mobilität ihrer Belegschaft wichtig ist.
Hierzu haben sie ihren Mitarbeitern während der Pandemie verstärkt umweltfreundliche Mobilitätsangebote gemacht, indem sie unter anderem damit begonnen haben, den betrieblichen Fuhrpark auf alternative Antriebe umzurüsten. Der Anteil der Betriebe, die das Jobrad-Modell unterstützen, ist sogar von 32 Prozent vor der Corona-Pandemie auf nun 53 Prozent gestiegen. Dem Corona bedingten Wandel der Arbeitsmobilität lassen sich somit auch positive Aspekte abgewinnen.

Weitere Informationen

Hinweis: Die Umfrage wurde von Anfang April bis Anfang Mai 2021 durchgeführt. Insgesamt nahmen rund 600 Betriebe mit schätzungsweise 270.000 Beschäftigten teil.

Stefanie Seimer

Verfasst von:
Stefanie Seimer

Zur Artikelübersicht

nach oben