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An Englishman in Essen

Die MEO Region mit den Städten Mülheim an der Ruhr, Essen und Oberhausen ist Heimat für über 7.000 Unternehmen aus 119 Ländern. Eins davon ist die EBE Engineering GmbH mit Sitz in Essen.

Von der Petrochemie über die Gummi- und Reifenherstellung bis zur Wäscherei und Lebensmittelerzeugung: Dampf wird in vielen Prozessen benötigt. Nigel Egginton hat ein spezielles System für die in großen Industrieanlagen 1.000fach eingebauten Venturidüsen-Kondensatableiter entwickelt, welche keinen Verschleiß aufweisen sowie Energie sparen. Wir trafen den Ingenieur und Geschäftsführer der EBE Engineering GmbH zum Gespräch in der IHK und waren neugierig, warum ein englischer Unternehmer seine Kunden bevorzugt im Ruhrgebiet akquiriert.

Herr Egginton, Sie sprechen ein ausgezeichnetes Deutsch. Wo haben Sie das gelernt?

Nigel Egginton:

Sprachen liegen mir einfach, neben Deutsch spreche ich noch Spanisch und Französisch. Als Werkstudent habe ich erst ein Jahr in Karlsruhe gearbeitet und danach verschlug es mich nach Ostberlin. Sprache und Kultur sind eng miteinander verbunden. Es ist immer wichtig, in die Kultur des Landes eintauchen zu können, gerade wenn man verkaufen will. Sprache ist das A und O. Nach meinem Studium der Ingenieurtechnik fing ich von England aus an, für ein Unternehmen die Handelsvertretung in Deutschland zu übernehmen. Nachdem das Patent dieses Unternehmens für einen Kondensat-Ableiter für Dampfdüsen auslief, habe ich das Produkt weiterentwickelt und in England dafür 2006 ein eigenes Unternehmen gegründet.

Wie sah diese Weiterentwicklung aus?

Nigel Egginton:

Dampf ist ein tolles Produkt und vielseitig einsetzbar. Wichtig ist aber, dass entstandenes Kondenswasser gut abfließen kann, damit die Prozesse nicht beeinträchtigt werden. Ein großes Unternehmen benötigt dafür mehrere Tausend Kondensat-Ableiter. Das bisherige Produkt lief einwandfrei, war allerdings nicht standardisiert – und es enthielt Teile, die nach einer gewissen Zeit durch Verschleiß ausfielen. Durch meine Weiterentwicklung brauchen die Teile nicht mehr ausgetauscht werden. Das spart natürlich Wartungskosten.

Welche Unternehmen kaufen bei Ihnen ein?

Nigel Egginton:

Hauptabnehmer sind die Industrie und vor allem die Petrochemie. Überall dort, wo mit Wasserdampf gearbeitet wird, ist mein Produkt einsetzbar.“
Leider darf ich nicht viele konkrete Namen lernen. Die ersten Dokumente, die bei einer Zusammenarbeit auftauchen, sind in der deutschen Industrie die Vertraulichkeitserklärungen.

Das hört sich nach einem spannenden Markt an. 

Nigel Egginton:

Das ist er auf jeden Fall. Das Ruhrgebiet bietet mir ein breites Einsatzspektrum für mein Produkt. NRW ist ein breiterer Markt als manches Land.

Warum sind Sie nach Deutschland übergesiedelt? Liegt das am Brexit?

Nigel Egginton:

Der Brexit hat letztendlich den Ausschlag gegeben, aber auch so ist mein Markt hier in Deutschland und es ist natürlich deutlich einfacher hier zu produzieren und in die Nähe auszuliefern. So habe ich die komplette Kontrolle über das Produkt. Kollegen von mir bekommen ihre Ware schneller aus den USA und China als aus England. Neben dem zeitlichen Aspekt kostet es jetzt viel Geld, Waren auszuführen und der Verwaltungsaufwand ist immens. England ist kein riesiger Markt für uns, der Anteil der Industrie in Großbritannien schrumpft rasant.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Nigel Egginton:

Ich konzentriere mich jetzt noch auf das Ruhrgebiet. Mein Produkt ist sehr erklärungswürdig und die Konkurrenz ist mächtig. Man muss auch sagen, Industrieunternehmen benehmen sich gegenüber ihren Lieferanten sehr loyal und so brauche ich sehr viel Überzeugungsarbeit, um die Investitionen in ein circa 15 bis 20 Prozent rentableres Produkt zu verkaufen. Dazu kommt noch der Fachkräftemangel: Selbst wenn ein Unternehmen bereit ist für einen Wechsel, müssen erst einmal die Mitarbeiter für den Umbau vorhanden sein. Aber das Thema Nachhaltigkeit und CO2-Einsparung spielt mir in die Karten. Ich hoffe sehr, dass es hier bald auch behördliche Vorschriften gibt, die mir helfen würden. Und dann sehen wir weiter. Erfreulicherweise ist Europa von Deutschland aus ein Binnenmarkt. Ich freue mich, diesen unkompliziert von Essen aus später auch bedienen zu können.

Simone Stachelhaus

Verfasst von:
Simone Stachelhaus

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